Reaktionen

Große Wut in der Türkei nach Resolution zu Völkermord

Die Zeitung „Sözcü“ bildete die Kanzlerin in Nazi-Uniform vor einer Hakenkreuzflagge ab.

Die Zeitung „Sözcü“ bildete die Kanzlerin in Nazi-Uniform vor einer Hakenkreuzflagge ab.

Foto: Linda Say / dpa

Türkische Medien reagieren harsch auf die Armenien-Resolution des Bundestags. Premierminister Yildirim versucht, die Wogen zu glätten.

Istanbul.  Die türkischen Medien haben einen neuen Liebling: Bettina Kudla. Die CDU-Politikerin, die am Donnerstag als Einzige im Bundestag gegen die Resolution zum Völkermord an den Armeniern während des Ersten Weltkrieges stimmte, hat viele türkische Herzen erobert. Die Zeitung „Yenicag“ bescheinigte Kudla am Freitag, sie sei „die einzige Deutsche mit Verstand“. Kudla habe sich „allein gegen die historische Lüge“ gestellt, lobte das Massenblatt „Star“. Die regierungsnahe Zeitung „Yen Safak“ findet ebenfalls lobende Worte: „Nur sie hat Nein gesagt“. Für das Blatt „Posta“ ist die deutsche Abgeordnete deshalb sogar „ein Schatz“.

In den Zeitungen vom Freitag spiegelten sich ansonsten Empörung und Wut – vor allem auf die elf türkischstämmigen Bundestagsabgeordneten, die für die Entschließung votiert hatten. Das Regierungsblatt „Sabah“ veröffentlichte Fotos der elf deutsch-türkischen Parlamentarier mit der Schlagzeile: „Wir können diese Leute sich ins Gesicht sehen?“ Besonders scharfe Attacken muss wieder einmal der Grünen-Chef Cem Özdemir einstecken, auf den sich regierungsnahe türkische Medien seit Jahren eingeschossen haben. Özdemir wird als „Architekt des Verrats“, „Pseudotürke“ und „Verehrer der (als Terrororganisation verbotenen) PKK“ hingestellt.

Merkel in Nazi-Uniform

Auch Kanzlerin Angela Merkel (CDU) nehmen türkische Medien aufs Korn: Die Zeitung „Sözcü“ bildete die Kanzlerin in Nazi-Uniform vor einer Hakenkreuzflagge ab. Justizminister Bekir Bozdag sagte an die Adresse Deutschlands: „Erst verbrennst du die Juden im Ofen, dann klagst du das türkische Volk mit Genozidverleumdungen an.“ Die Empörung über die Resolution geht quer durch alle politischen Parteien in der Türkei, mit Ausnahme der prokurdischen HDP, die sich als Anwalt nicht nur der Kurden sondern auch anderer Minderheiten sieht. Die türkische Regierung will voraussichtlich kommende Woche entscheiden, mit welchen Gegenmaßnahmen sie auf die Resolution reagiert. Erst einmal wartet man in Ankara die Rückkehr von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan ab, der am Freitag noch auf einer Afrikareise war.

Regierungschef Binali Yildirim versuchte allerdings bereits, die Wogen etwas zu glätten: Man werde zwar „eine angemessene Antwort“ finden, wolle aber „ungeachtet der Umstände unsere Beziehungen zu unseren Freunden und Verbündeten fortsetzen“. Yildirim unterstrich: „Deutschland und die Türkei sind zwei sehr wichtige Verbündete.“