Hadsch

Diplomatische Krise hindert Iraner an Pilgerfahrt nach Mekka

Tausende Muslime umkreisen die Kaaba. Die Pilgerfahrt nach Mekka, der sogenannte Hadsch, gehört zu den fünf Säulen des Islam. Einmal im Leben soll ein Muslim daran teilnehmen.

Tausende Muslime umkreisen die Kaaba. Die Pilgerfahrt nach Mekka, der sogenannte Hadsch, gehört zu den fünf Säulen des Islam. Einmal im Leben soll ein Muslim daran teilnehmen.

Foto: imago stock&people / imago/ZUMA Press

Die Beziehungen zwischen Saudi-Arabien und Iran sind auf dem Tiefpunkt. Iraner können deshalb eine muslimische Pflicht nicht erfüllen.

Teheran.  Wegen der diplomatischen Krise zwischen Teheran und Riad können in diesem Jahr tausende Iraner nicht die Pilgerfahrt nach Mekka, den sogenannten Hadsch, antreten. „Wir haben diesbezüglich bis heute vergeblich auf eine Antwort der Saudis gewartet, daher ist der Hadsch dieses Jahr nicht machbar“, sagte der iranische Kultusminister Ali Dschannati am Sonntag, wie die Agentur Fars berichtete. Beide Seiten hatten mehrmals vergeblich versucht, eine Lösung zu finden.

Ali Dschannati warf der Regierung in Riad am Sonntag im iranischen Staatsfernsehen eine Sabotage der Verhandlungen vor. Der saudi-arabische Außenminister Adel al-Dschubeir erklärte dagegen, der Iran habe inakzeptable Bedingungen gestellt. Am Freitag war eine iranische Verhandlungsdelegation ohne Einigung abgereist.

Auch Differenzen im Syrien-Konflikt

Die Beziehungen zwischen den rivalisierenden Ländern sind auf einem Tiefpunkt. Riad hatte die diplomatischen Beziehungen zum Iran Anfang des Jahres abgebrochen, nachdem die Botschaft des Landes in Teheran von aufgebrachten Demonstranten gestürmt worden war. Vorausgegangen war die Hinrichtung von 47 Menschen in Saudi-Arabien, unter ihnen ein dem Iran nahestehender Geistlicher der schiitischen Minderheit. Die beiden islamischen Länder haben auch Differenzen im Syrien-Konflikt. Teheran unterstützt den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad, Riad die Rebellen.

Zudem waren bei dem Hadsch im vergangenen Jahr Hunderte Iraner bei einer Massenpanik getötet wurden. „Die Sicherheit der Pilger war uns sehr wichtig“, sagte Dschannati zu den Gesprächen mit Verweis auf die Katastrophe. Al-Dschubeir erklärte dagegen, der Iran habe „das Recht, Demonstrationen abzuhalten“ und andere Sonderrechte verlangt. Diese würden während des Hadsch zu Chaos führen. „Das ist inakzeptabel.“ Saudi-Arabien werde jedoch niemanden davon abhalten, seine religiöse Pflicht zu erfüllen.

Hadsch beginnt in diesem Jahr im September

Die Katastrophe im vergangenen Jahr ereignete sich, als zwei große Pilgergruppen in der Nähe von Mekka an einer Wegkreuzung aufeinandertrafen. In saudi-arabischen Medien wurde angedeutet, iranische Pilger könnten die Panik durch ihr Verhalten ausgelöst haben. Nach offiziellen saudi-arabischen Angaben wurden 769 Menschen getötet und 934 verletzt. Inoffiziellen Berechnungen zufolge kamen aber mehr als 2000 Menschen ums Leben, darunter über 400 Iraner.

Die Führung in Riad wirft dem Iran vor, die Katastrophe für politische Zwecke zu missbrauchen. Der schiitische Iran ist in zahlreiche Konflikte der arabischen Welt involviert, darunter im Irak, in Syrien und im Jemen. Das sunnitische Saudi-Arabien sieht im Iran eine Bedrohung für die gesamte Region.

Die Pilgerfahrt zum wichtigsten Heiligtum im Islam in Mekka zählt zu den Pflichten jedes Muslims – Hundertrausende Iraner nehmen jedes Jahr daran teil. Der Hadsch beginnt Anfang September. (dpa/rtr)