Düsseldorf

Mutmaßliche Bombenleger von Essen sind IS-Sympathisanten

Jugendliche waren Verfassungsschutz vor dem Attentat bekannt

Düsseldorf. Die mutmaßlichen Bombenleger von Essen, die einen Anschlag auf einen Sikh-Tempel verübten, sollen mit der Terrormiliz „Islamischer Staat“ sympathisiert haben. Sie waren den Sicherheitsbehörden in Nordrhein-Westfalen viel bekannter, als zunächst eingeräumt worden war. Wie Innenminister Ralf Jäger (SPD) am Donnerstag im Landtag erklären ließ, wurde der 16-jährige Yussuf T. aus Gelsenkirchen bereits seit 2014 im Präventionsprogramm „Wegweiser“ gegen gewaltbereiten Salafismus betreut. Der Jugendliche stand im Verdacht, sich in Syrien der Terrororganisation „Islamischer Staat“ anschließen zu wollen.

Die Leitung seiner Realschule hatte sich damals wegen der offenkundigen Radikalisierung des Jungen an den NRW-Verfassungsschutz gewandt. Er beteiligte sich an einer Koran-Verteilaktion in der Fußgängerzone, bespuckte Mitschülerinnen, drohte einem jüdischen Mädchen, ihr das Genick zu brechen. Nur vier Tage vor dem Anschlag auf den Sikh-Tempel in Essen, bei dem am 16. April drei Menschen verletzt wurden, war Yussuf T. mit seiner Mutter noch bei einem Beratungsgespräch.

Die Opposition im Landtag reagierte empört: „Wenn man schon jemandem, der im Präventionsprogramm des Landes ist, nicht von einem Anschlag abhalten kann, wen denn eigentlich dann?“, fragte CDU-Innenexperte Gregor Golland. Was erst jetzt bekannt wurde: Auch gegen den mutmaßlichen Mittäter Muhammed B. aus Essen (16) hat der Staatsschutz bereits ermittelt, weil sein Facebook-Profil dschihadistische Symbole zierten und er den Islamischen Staat verherrlichte. Kurz nach dem Essener Anschlag hatte er zudem Kontakt zu einem behördenbekannten 16-jährigen Salafisten aus Wesel, der bereits mit einer Ausreisesperre belegt wurde. Am 15. April, nur einen Tag vor dem Anschlag, wurde B. wegen versuchten Einbruchs festgenommen. Seine beiden älteren Brüder sind nach Informationen dieser Zeitung im Intensivtäter-Programm des Essener Polizei.

Innenminister Jäger verwies schmallippig auf die Grenzen der Sozialarbeit. Im Programm „Wegweiser“ betreut das Land zurzeit 160 Jugendliche auf der Kippe zum Salafismus. Es gibt weitere 4500 Anfragen nach Plätzen. NRW-Verfassungsschutz-Chef Burkhard Freier will das Netzwerk angesichts des großen Bedarfs ausbauen.