Miami

Showdown in Miami: Wer kann Trump noch stoppen?

Die Republikaner vor dem nächsten Super Tuesday im US-Wahlkampf. Eine Vorentscheidung liegt in der Luft, wenn am Dienstag in fünf Bundesstaaten gewählt wird

Miami. In den Cafés am Ocean Drive von Miami Beach fielen gestern zwischen badebehosten Urlaubern einzelne Männer mit dunklen Sonnenbrillen, tragbaren Computern und Taschenrechnern auf. Nachvollziehbar. Der Vorwahlkampf um die amerikanische Präsidentschaft wird gerade zum Mathekrimi. Keiner der vier republikanischen und zwei demokratischen Kandidaten hat bereits die nötigen Delegierten sicher, um auf den Parteitagen im Juli als Bewerber für die Nachfolge von Barack Obama bestätigt zu werden. Alle Augen richten sich auf Dienstag, wenn es in fünf Bundesstaaten – darunter Florida – an die Wahlurnen geht. Vorentscheidungen liegen in der Luft.

Bei den Demokraten spürt Hillary Clinton den Atem ihres Verfolgers Bernie Sanders im Nacken. Der 74-Jährige entfacht bei jungen Wählern entschieden mehr Leidenschaft. Obwohl sie am Sonnabend die Abstimmung im US-Außenterritorium Nördliche Marianen gewann. Clintons Abstand ist durch eine demokratische Sonderregelung (Superdelegierte) heute schon über 900 Stimmen groß. Der Senator aus Vermont müsste ab sofort ständig gewinnen, um früher als Clinton 2382 Delegierte auf sich zu vereinen.

Auf republikanischer Seite hat das große Was-wäre-wenn-Rechnen im Quadrat begonnen. Ted Cruz, Marco Rubio und John Kasich wollen den Siegeszug von Donald Trump stoppen. Oder so verlangsamen, dass dem Milliardär die nötigen 1237 Stimmen für die Nominierung vorläufig verwehrt bleiben. Ziel ist die Inszenierung eines Paukenschlags auf dem Parteitag in Cleveland. Dort soll Trump in letzter Minute kaltgestellt werden.

Dass es so weit kommen konnte, liegt an der Teflonartigkeit des radikalen Populisten Trump. Bisher haben die Wähler ihm jede Grobheit und jeden substanzlosen Vorschlag anstandslos durchgehen lassen. „Ich glaube, der Islam hasst uns“, sagte Trump neulich. Und stellte danach in Aussicht, als Präsident 30.000 US-Soldaten in den Nahen Osten zu schicken, um den islamistischen Terrorismus zu vernichten. Beide Aussagen liegen so weit außerhalb der Mehrheitsmeinung des Kongresses, dass sie andere Kandidaten in schwere Wasser gebracht hätten.

Alle Hoffnungen der Parteietablierten, dass sich der als „Latino-Obama“ annoncierte Rubio, 44, der am Sonnabend die Abstimmung in der Hauptstadt Washington gewann, oder der an den CDU-Sozialpolitiker Norbert Blüm erinnernde Kasich gegen Trump durchsetzen könnten, haben sich nicht erfüllt. Stattdessen hat sich der von religiösem Eifer getriebene Verfassungsanwalt Ted Cruz, am Wochenende Sieger im Cowboystaat Wyoming, als die Nr. 2 etabliert.

Bis Sonntag hatte Trump rund 460 Delegierte auf seiner Seite. Etwa 100 mehr als Cruz, 300 mehr als Rubio, 400 mehr als Kasich. Die Wahlen in Florida, Ohio, Missouri, Illinois und North Carolina könnten dem 69-Jährigen einen Turboschub geben. Das proportionale Verteilen der Stimmen ist ab dann nicht mehr durchgehend die Regel. Das Winner-takes-all-System könnte Trump allein in Ohio und Florida auf einen Schlag 165 Stimmen bescheren. Würde der New Yorker Geschäftsmann bis zur letzten Vorwahl am 7. Juni in Kalifornien wie bisher um die 45 Prozent der Delegierten auf sich vereinen, „ist er durch“, haben Analysten errechnet.

Heißt im Umkehrschluss: Holt Florida-Senator Rubio am Dienstag seinen Heimatstaat und Ohio-Gouverneur Kasich den seinen, erhöht sich für Trump der Druck. Zwei Drittel der Delegiertenstimmen müssten ihm in den Wahlgängen bis Juni zufallen, um ans Ziel zu kommen. „Nicht unmöglich, aber sehr, sehr schwierig“, sagen Experten der Denkfabrik Cato in Washington.

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