Berlin

1200 deutsche Soldaten für Syrien

Berlin. Der geplante Bundeswehreinsatz zum Kampf gegen den Terror des „Islamischen Staates“ (IS) wird viel umfassender als zunächst angenommen: Die Bundeswehr rechnet allein für die neue Mission in Syrien und im Irak mit 1200 Soldaten – es wäre der größte laufende Auslandseinsatz. Zählt man weitere Marschbefehle nach Mali und Nordirak hinzu, wird die Truppe fast 2000 Soldaten zusätzlich im Zusammenhang mit dem Anti-Terror-Kampf bereitstellen.

In welchem Ausmaß die Bundeswehr schon zu Beginn in Syrien und im Irak gefordert ist, machte Generalinspekteur Volker Wieker in der „Bild am Sonntag“ deutlich: „Aus militärischer Sicht wird die für den Betrieb der Flugzeuge und Schiffe notwendige Zahl voraussichtlich bei etwa 1200 Soldaten liegen.“ Die Operation könne sehr rasch nach der Erteilung des Mandats durch den Bundestag beginnen. Das Kabinett will am Dienstag eine Vorlage beschließen. Eine Bundestagsentscheidung wird spätestens Mitte Dezember fallen. Denkbar, aber nicht wahrscheinlich sei eine Zustimmung auch schon diese Woche, sagte SPD-Verteidigungsexperte Rainer Arnold dem Abendblatt.

Im Parlament sehen er und andere Fachleute der Koalition, die die Mission grundsätzlich gutheißen, aber noch Klärungsbedarf. „Wir erwarten von der Verteidigungsministerin, dass sie jetzt sehr schnell präzise eine Aufstellung über den Bedarf vorlegt“, erklärte Arnold. Die erforderliche Truppenstärke hänge vor allem davon ab, an welchem Standort die Tornado-Jets und Tankflugzeuge stationiert würden – je nachdem, ob sich die Bundeswehr auf eine vorhandene Logistik stützen könne. Doch geht die Bundeswehr nach Angaben aus Regierungskreisen bereits von einem längeren Einsatz aus.

Im Kern geht es um Luftwaffenunterstützung bei der Bombardierung von Stellungen des „Islamischen Staates“. Sechs Tornado-Kampfjets mit Aufklärungstechnik zur Zielerkundung, dazu ein oder zwei Luftbetankungsflugzeuge zur Versorgung alliierter Kampfbomber will Deutschland stellen. Als Stützpunkte werden jetzt das türkische Incirlik und das jordanische Amman geprüft. Den Flughafen des Nato-Partners Türkei nutzen bereits die USA und andere Staaten der Anti-IS-Allianz für ihre Kampfflugzeuge. Für den Stützpunkt in Jordanien müsste aber nicht nur eine eigene Logistikkette aufgebaut werden, es würden auch größere Einheiten zum Eigenschutz benötigt. Gebraucht werden so oder so Einsatzcrews, Techniker, Sanitäter, Stabspersonal und womöglich auch eigene Evakuierungstrupps: Es bestehe die Gefahr, dass die Tornados vom Boden beschossen würden, räumte Wieker ein. Schon als die Tornado-Kampfjets bis 2010 über Afghanistan flogen, bekam die Bundeswehr dafür 500 Soldaten genehmigt.

Die deutsche Fregatte, die als Geleitschutz für den französischen Flugzeugträger „Charles de Gaulle“ vor syrischen Gewässern kreuzen soll, hat eine Besatzung von 250 Soldaten. Auch für die Führungsstrukturen der Anti-IS-Koalition muss die Bundeswehr Soldaten bereitstellen.

Der neue Anti-Terror-Kampf wird so zur Herausforderung für die Truppe: Geplant ist ja auch die Aufstockung der Mali-Mission um 650 Soldaten zur Entlastung Frankreichs, mögliche Kampfeinsätze gegen islamische Extremisten eingeschlossen. Hinzu kommt eine Verstärkung der Ausbildungsmission im Nordirak von 100 auf 150 Soldaten. So bringen diese Wochen eine Wende für die Truppe, die nach Jahren der Überstrapazierung gerade etwas weniger gefordert schien: Im vergangenen Jahrzehnt waren zeitweise 10.000 Soldaten im Ausland, derzeit sind es nur noch 3000 – wichtigste Einsatzgebiete sind Afghanistan und Kosovo.