New York/Bangui

Ban entlässt Uno-Missionschef

Kindesmissbrauch und gezielte Tötungen – schwere Vorwürfe gegen Blauhelme in Zentralafrika

New York/Bangui.  Jetzt ist sogar dem stets diplomatischen Uno-Generalsekretär Ban Ki-moon der Kragen geplatzt. Die Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs und gezielter Tötungen durch Soldaten der internationale Friedenstruppen in der Zentralafrikanischen Republik sind erschütternd. Die Truppen sind in dem bitterarmen und von Gewalt gezeichneten Land, um zu helfen – nicht, um neue Krisen zu entfachen. Seit dem Frühjahr kursieren die schwerwiegenden Vorwürfe, erst jetzt entließ Ban den Chef der Mission, den Senegalesen Babacar Gaye. Der Gabuner Parfait Onanga-Anyanga übernimmt den Posten.

„Ich kann kaum in Worte fassen, wie schmerzgeplagt, sauer und beschämt mich die Berichte über Jahre der sexuellen Ausbeutung und Misshandlung durch Uno-Soldaten machen“, sagte Ban. Der Uno-Sicherheitsrat hielt noch in der Nacht zum Freitag eine Sondersitzung zu dem Thema ab. Das derzeitige System zur Verhinderung sexueller Übergriffe von Blauhelmsoldaten reiche offensichtlich nicht aus, erklärte die US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen, Samantha Power. „Das System, so wie es jetzt ist, hat viele Lücken.“

Die Vorfälle wiegen umso schwerer, da es die Aufgabe der weltweit rund 100.000 Soldaten unter Uno-Kommando ist, die oft traumatisierte Bevölkerung in Konfliktgebieten zu schützen. Von 2008 bis 2013 gab es einem Uno-Bericht zufolge 480 Vorwürfe sexuellen Missbrauchs gegen Soldaten oder Mitarbeiter der Weltorganisation, vor allem bei den Missionen in Haiti, im Kongo sowie im Sudan und Südsudan.

Im Frühjahr wurden dann erstmals Vorwürfe laut gegen 14 französische und mehrere afrikanische Soldaten. Sie sollen mindestens zehn Kinder sexuell missbraucht haben. Die Beschuldigten waren keine Blauhelme, doch der Uno-Sicherheitsrat hatte deren Intervention zum Schutz der Zivilbevölkerung Ende 2013 zugestimmt.

Der jüngste Konflikt in Zentralafrika eskalierte, nachdem muslimische Seleka-Rebellen 2013 den christlichen Präsidenten François Bozizé entmachtet hatten. Seither bestimmt Gewalt zwischen den Religionsgruppen den Alltag in dem Land mit schätzungsweise 4,7 Millionen Einwohnern. Tausende wurden getötet. Rund 460.000 Menschen sind vor den Kämpfen in die Nachbarländer Kamerun, Tschad und Kongo geflohen. Etwa ebenso viele gelten als Binnenflüchtlinge.