Berlin

Gauck fordert Hilfe für Flüchtlinge

Noch immer tue Deutschland angesichts der dramatischen Weltlage zu wenig, sagt der Bundespräsident

Berlin. Bundespräsident Joachim Gauck hat die Deutschen aufgefordert, als Lehre aus der Vertreibung im Zweiten Weltkrieg die Flüchtlinge von heute großherziger aufzunehmen. Bei einem Festakt zum ersten bundesweiten Gedenktag für die Opfer von Flucht und Vertreibung in Berlin mahnte Gauck, Deutschland könne mit seiner wirtschaftlichen Stärke und politischen Stabilität mehr tun. Von der Bereicherung und Aufbauleistung durch die Vertriebenen, die vor 70 in einem armen Deutschland ankamen, leitete er neue Chancen durch Flüchtlinge für das heute vergleichsweise reiche Land ab. Er dankte den Nachbarstaaten für Gesten und Vertrauen nach dem Krieg.

Der Bund der Vertriebenen – er vertritt die Interessen von 14 Millionen, im Zweiten Weltkrieg vertriebener Menschen und ihrer Nachkommen – hatte jahrelang einen eigenen Gedenktag gefordert. Verbandspräsident Bernd Fabritius sagte: „Diesen Gedenktag war Deutschland den eigenen Opfern schuldig.“ 2014 hatte die Regierung beschlossen, immer am 20. Juni an das Leid der Vertriebenen aus ehemaligen deutschen Siedlungsgebieten in Osteuropa zu erinnern – und diesen Gedenktag an den Weltflüchtlingstag der Vereinten Nationen zu koppeln. Die Kirchen im Erzbistum Köln erinnerten am Freitagabend mit 23.000 Glockenschlägen an die 23.000 ertrunkenen Flüchtlinge im Mittelmeer.

Zum Weltflüchtlingstag demonstrierten mehrere tausend Menschen für mehr Solidarität mit Flüchtlingen. Weltweit haben nach Zahlen des UN-Flüchtlingskommissariats UNHCR fast 60 Millionen Menschen ihre Heimat durch Konflikt und Verfolgung verloren. Während dieser Tragödie schlössen einige Länder, die helfen könnten, ihre Grenzen, und die Feindseligkeiten nähmen zu, erklärte das UNHCR. „Wir haben die Lösungen und die Expertise . Es wird nicht leicht oder billig, aber es wird es wert sein.“ Die Bundeswehr rettete nach eigenen Angaben weitere 471 Flüchtlinge aus einem Holzboot im Mittelmeer nordwestlich der libyschen Hauptstadt Tripolis, darunter 79 Frauen und 68 Kinder.