Berlin

Krebsärzte gegenjedes Verbot der Sterbehilfe

Berlin.  Viele Krebsärzte sind im Notfall bereit, schwerkranken Patienten bei der Selbsttötung zu helfen: Wie eine Umfrage unter onkologischen Fachärzten zeigt, ist die Mehrheit in den vergangenen Jahren bereits mindestens einmal von Patienten darauf angesprochen worden. Doch nur in wenigen Fällen wurde daraus ein konkreter Wunsch – und nur ein Bruchteil der Ärzte hat am Ende tatsächlich Suizidbeihilfe geleistet.

Neue Gesetze, wie sie aktuell in der Debatte um die Sterbehilfe in Deutschland gefordert werden, seien deswegen unnötig: „Der strafrechtliche Freiraum, der zur Zeit herrscht, ist gut“, erklärte Mathias Freund, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie (DGHO). Ärzte müssten nach ihrem Gewissen entscheiden können: „Man muss nicht jeden Winkel durch ein Gesetz regeln.“ In der Sterbehilfedebatte gibt es derzeit starke Stimmen, die Ärzten mit dem Strafrecht drohen, wenn sie ihren Patienten bei der Selbsttötung helfen.

An der Online-Umfrage hatten sich knapp 800 der rund 3000 DGHO-Mitglieder beteiligt. 34 Prozent der Ärzte sagten, dass sie „unter bestimmten Bedingungen“ bereit wären, einem Patienten bei der Selbsttötung zu helfen – etwa, indem sie ihm tödliche Medikamente zur Verfügung stellten. Neun Prozent zeigten sich unentschieden, 57 Prozent lehnen den ärztlich assistierten Suizid ab. Der Wunsch nach ärztlicher Beihilfe zur Selbsttötung sei im Alltag viel seltener als gemeinhin angenommen, erklärte der Bochumer Medizinethiker Jan Schildmann bei der Vorstellung der Ärzte-Umfrage in Berlin.

In Deutschland dürfen Ärzte passive und indirekte Sterbehilfe leisten, indem sie auf Wunsch des Patienten Geräte abstellen oder bei hoch dosierten Medikamenten eine Lebensverkürzung in Kauf nehmen. Auch die Beihilfe zur Selbsttötung ist bislang straffrei. Verboten dagegen ist die aktive Sterbehilfe – das Töten auf Verlangen.