Stuttgart

Bizarre Dienstwagen-Affäre von Ministerpräsident Kretschmann

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Fährt er nun ein Umweltauto oder nicht? Sein Mercedes 500 Plugin-Hybrid macht Winfried Kretschmann mehr Ärger als Freude. Der MP sagt: Er fährt mit Ökostrom.

Immendingen/Stuttgart/Hamburg. Es ist ein bizarrer Streit um den Dienstwagen des ersten grünen Ministerpräsidenten in Deutschland. Es geht um den Kohlendioxidausstoß, was genau dazuzählt und ob sich ausgerechnet der ranghöchste Repräsentant der Umweltpartei einer Umweltsünde schuldig gemacht hat. Also steht auch die Glaubwürdigkeit der Politik im Ländle auf dem Spiel, wo 2016 Regierungschef Winfried Kretschmann wieder zur Wahl antritt.

Die Debatte über Schadstoffe hat sich an Kretschmanns neuem Hybridfahrzeug der Daimler-S-Klasse entzündet. Das Auto, dessen technische Daten Sie hier sehen, hat nach offiziellen Angaben einen CO2-Ausstoß von 65 Gramm pro Kilometer. „Mein neues Fahrzeug setzt Maßstäbe bei Effizienz und Klimaschutz“, sagte Kretschmann laut Mitteilung bei der offiziellen Übergabe des Wagens am Donnerstag in Immendingen (Landkreis Tuttlingen). Der CO2-Ausstoß von Kretschmanns bisherigem Dienstfahrzeug lag noch bei 115 Gramm.

Die Deutsche Umwelthilfe bezweifelte allerdings, dass Kretschmann sich unter Umweltgesichtspunkten verbessert hat. Für das neue Fahrzeug ergebe sich insgesamt ein CO2-Ausstoß von 140 Gramm pro Kilometer, sagte eine Sprecherin der Umwelthilfe in Berlin. In den offiziellen Herstellerangaben seien nicht die CO2-Emissionen einberechnet, die durch den Elektromotor und den dafür benötigten Strom anfielen.

Ein Daimler-Sprecher bezeichnete die Rechnung der Umwelthilfe allerdings als fachlich nicht korrekt. Für die Berechnung des CO2-Ausstoßes gebe es gesetzlich festgelegte Maßstäbe. Ein Regierungssprecher ergänzte, dass das Staatsministerium Ökostrom beziehe – die Schadstoffbilanz also durch den Strom nicht belastet werde.

Das neue Fahrzeug ist Kretschmanns sechster Dienstwagen. Der Grüne Ministerpräsident hatte beim politischen Aschermittwoch in Biberach erklärt, dass er zu Beginn seiner Regierungszeit den Wagen seines Vorgängers Stefan Mappus (CDU) übernommen habe – mit einem CO2-Ausstoß von beachtlichen 340 Gramm. Mit jedem neuen Wagen sei dann auch der Schadstoffausstoß gesunken.

Ein Hybridfahrzeug beinhaltet eine Kombination aus Elektroantrieb und Verbrennungsmotor. Kretschmanns neuer Plug-In Hybrid kann zudem an eine externe Steckdose angeschlossen werden. Kurzstrecken in der Stadt will der Regierungschef weiter mit Brennstoffzellenfahrzeugen zurücklegen. Diese Fahrzeuge würden in den Berechnungen der Umwelthilfe überhaupt nicht berücksichtigt, kritisierte der Regierungssprecher.