Tunesien

Hamburger Femen-Aktivistin wieder auf freiem Fuß

Ein Gericht in Tunesien setzte die Haftstrafen zur Bewährung aus. Die drei Frauenrechtsaktivistinnen – unter ihnen die Hamburger Studentin Josephine Witt – entschuldigten sich für ihre barbusige Protestaktion. Mittlerweile haben sie Tunesien verlassen.

Tunis. Die Hamburger Aktivistin Josephine Witt alias Josephine Markmann und ihre zwei französischen Mitstreiterinnen der Frauenrechtsbewegung Femen sind nach vier Wochen in einem tunesischen Gefängnis zurück in Europa. Die 20-jährige Studentin sowie zwei französische Mitstreiterinnen der Frauenrechtsgruppe Femen kamen am späten Vormittag mit einer Maschine der Gesellschaft Tunis Air auf dem Pariser Flughafen Orly an.

In der Nacht zum Donnerstag haben die jungen Frauen das Gefängnis Manouba in Tunis verlassen. Ein Gericht in der tunesischen Hauptstadt hatte die Haftstrafen am Mittwoch im Berufungsverfahren zur Bewährung ausgesetzt. „Der Richter hat Milde walten lassen“, sagte Anwältin Leila Ben Debba.

Die Bergedorfer Studentin Witt und die beiden Französinnen waren vor zwei Wochen zu vier Monaten Gefängnis verurteilt worden, weil sie Ende Mai mit entblößten Brüsten vor dem Justizpalast in Tunis für die Freilassung einer tunesischen Femen-Aktivistin demonstriert hatten. „Das muslimische Recht untersagt derartige Handlungen“, bekräftigte Richter Moez Ben Frej am Mittwoch. „Unsittliches Verhalten“ war einer der Straftatbestände, die das Gericht als erwiesen ansah. Das Urteil hatte die Bundesregierung, Frankreich sowie die Europäische Union verärgert.

Frauen entschuldigen sich

Im Berufungsprozess am Mittwoch entschuldigten sich die jungen Frauen für die Aktion. „Ich bedauere die Tat und entschuldige mich“, sagte Josephine Witt, die die während des Gefängnisaufenthalts ihren 20. Geburtstag feiern musste. „Wir wollten die Tunesier nicht schockieren und werden es bestimmt nie wieder tun“, bekräftigte auch Pauline Hillier, eine der zwei inhaftierten französischen Femen-Mitglieder. Bei der Anhörung waren die jungen Frauen in einen traditionellen Safsari gekleidet, der sie von Kopf bis Fuß verhüllte.

Die aus Hamburg kommende Philosophiestudentin Josephine M. beteuerte in dem Verfahren, sie habe die Gefühle der Tunesier nicht verletzten wollen. Die Argumentation fiel allerdings schwer, da sie bei ihrem Oben-Ohne-Auftritt mehrmals „Fuck your morals“ gerufen hatte. Auf Deutsch bedeutet dies – etwas vornehmer ausgedrückt – „Wir pfeifen auf Eure Moralvorstellungen“.

Zudem versprachen die jungen Frauen, eine solche Aktion nicht zu wiederholen.

„Unsere Aktivistinnen scheinen in Haft einem beispiellosen psychischen Druck ausgesetzt gewesen zu sein“, kommentierte die französische Femen-Gruppe im Internet. Der Kampf mit nackten Brüsten werde fortgesetzt, weil die tunesische Aktivistin Amina weiter im Gefängnis sitze.

Einer der Anwälte der drei Frauen, Patrick Klugman, hatte im Berufungsprozess ihre umgehende Freilassung verlangt. Die Frauen hätten es nicht für möglich gehalten, dass sie in einem Land, „das sich gerade für die Freiheit erhoben hat“, mit ihrem Protest etwas riskieren würden. Die Femen-Mitglieder seien schon „viel zu lange“ festgehalten worden.

In Tunesien hatte die Verurteilung der jungen Europäerinnen kaum für Proteste gesorgt. Beobachter in Tunis verwiesen darauf, dass das nordafrikanische Mittelmeerland bei aller Liberalität und Zugewandtheit zu Europa ein sehr wertkonservativer Staat sei.

Die Menschen befürchten, dass Nacktproteste wie die von Femen Wind in die Segel der extremen Islamisten bringen könnten. Diese hatten zuletzt erfolglos dagegen gekämpft, dass die Gleichberechtigung von Mann und Frau explizit in den Entwurf für die neue Verfassung geschrieben wird. Er soll im Sommer verabschiedet werden.

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