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Bordell als Belohnung: Ergo im Skandalstrudel

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Von Volker Danisch und Peter Lessmann

Kein Ende im Sex-Skandal: Wieder kommen peinliche Informationen über Sex-Reisen für Versicherungsvertreter bei Ergo ans Tageslicht. Die könnten letztlich auch Ergo-Chef Oletzky in die Bredouille bringen. Die Berichte über einen Bordellbesuch auf Mallorca 2005 und den Urlaub im Swingerclub 2009, 2010 und 2011 auf Jamaika auf Kosten des Konzerns liegen laut „Handelsblatt" dem Ergo-Vorstand seit mehr als einem Jahr vor.

Düsseldorf. Sex als gängige Belohnung für Top-Vertreter? Der Versicherungskonzern Ergo wird mehr als ein Jahr nach dem Skandal um eine rauschende Party in Budapest von diesem heiklen Thema eingeholt. Sowohl vor als auch nach der Orgie in den altehrwürdigen Gellert-Thermen Mitte 2007 fanden laut „Handelsblatt“ Lustreisen für Versicherungsvertreter statt. Die Zeitung beruft sich dabei auf drei interne Revisionsberichte. Der Konzern wehrt sich: Die Reisen, zu denen es Zuschüsse gegeben habe, seien von Vermittlern organisiert worden, sie seien nicht mit Budapest vergleichbar. Für Ergo und das Mutterhaus Munich Re, für die Seriosität ein hohes Gut ist und die Aber-Millionen für Werbung ausgeben, bedeuten die Berichte über Sex-Reisen einen gravierenden Imageschaden. Vorstandschef Torsten Oletzky gerät erneut unter Druck.

Während in Budapest unter freiem Himmel etwa 20 Prostituierte mit Armbändern die erfolgreichsten Vertreter des Hamburg Mannheimer Strukturvertriebs verwöhnten, ist jetzt in dem Pressebericht von einem Swingerclub in der Karibik mit verspiegelten Decken die Rede. Ergo soll für Aufenthalte in dem klar positioniertem Hotel auf Jamaika bezahlt haben.

Auch ein Bordellbesuch auf Mallorca für leistungsstarke Versicherungsvertreter der damaligen Ergo-Tochter Hamburg-Mannheimer wird thematisiert. Die Lustreisen sollen zwischen 2005 und 2011 über die Bühne gegangen sein. Die Budapest-Orgie sei zwar im Umfang einmalig, doch die Art der Reise sei keineswegs außergewöhnlich, schreibt die Zeitung.

Die Berichte über einen Bordellbesuch auf Mallorca 2005 und den Urlaub im Swingerclub 2009, 2010 und 2011 auf Jamaika auf Kosten des Konzerns liegen laut „Handelsblatt“ dem Ergo-Vorstand seit mehr als einem Jahr vor. Ein Nachtclub/Bordellbesuch auf Mallorca könnte mit Bewirtungsbelegen abgerechnet worden sein. Ergo-Sprecher Alexander Becker erklärte am Donnerstag: „Wir konnten nicht klären, was auf Mallorca passiert ist.“ Die Jamaika-Reisen hätten selbstständige Vertreter in Eigenregie organisiert. Dafür habe es eine Zuschuss gegeben. „Wir haben nichts gefunden, was sich in Art und Umfang mit der Budapestreise 2007 vergleichen lässt“, beteuerte Becker.

Verhaltenskodex für Vertreter, verdeckte Beratungstests und ein Anwalt für unzufriedene Kunden: Ergo-Chef Oletzky versuchte vor einem Jahr mit einem Maßnahmekatalog den Befreiungsschlag. Auf den Konzern waren im vergangenen Jahr gleich eine Reihe von Vorwürfen geprasselt. Ergo musste neben der Sex-Sause in Budapest auch einräumen, dass Riester-Verträge mit falschen Kostenberechnungen verkauft worden waren. Das „tatsächliche und vermeintliche Fehlverhalten“ habe Ergo einiges an Kraft abverlangt, sagte Oletzky bei der Bilanzvorlage des Düsseldorfer Konzerns im März. Ergo habe Maßnahmen ergriffen und offensiv aufgeklärt, betonte er damals.

Für den Vorstand kommen die neuen Negativschlagzeilen doppelt ungelegen. Im Düsseldorfer Konzern herrscht ohnehin schon Unruhe. Erst vor einen Monat hatte die Unternehmensführung den Abbau von bis zu 1350 Arbeitsplätzen bekanntgegeben. Bis Anfang 2014 soll etwa jede vierte Stelle des insgesamt 5000 Arbeitsplätze umfassenden Vertriebs wegfallen. Die Zahl der Regionaldirektionen in Deutschland, die Anlaufstellen für ingesamt rund 10 000 selbstständige Vertreter sind, soll auf 120 fast halbiert werden. Mit diesen Plänen will Oletzky 164 Millionen Euro pro Jahr einsparen. Gegenwärtig laufen Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern über die vorgesehenen Veränderungen. (dpa)

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