Iran

Teheran präsentiert abgeschossene US-Drohne - und klagt

Teheran hat nach dem Verlust der Drohne einen Protestbrief bei der UN eingereicht. In den USA herrscht Zweifel, ob das Fluggerät echt ist.

Teheran/Washington. Nach dem Verlust einer hochmodernen US-Drohne über dem Iran beschwert sich Teheran nun bei den Vereinten Nationen. In einem Protestbrief kritisiert der iranische UN-Botschafter Mohamed Chasaei eine Verletzung des iranischen Luftraums, berichtete der staatliche Fernsehsender IRIB am Freitag. Chasaei forderte, die Weltgemeinschaft müsse „diese gefährlichen und illegalen Handlungen“ verurteilen. Der Iran behalte sich alle nötigen Schritte vor, um „solchen feindseligen und aggressiven Handlungen“ die Stirn zu bieten und die eigene Landeshoheit zu verteidigen.

Der Iran hatte den Abschuss des unbemannten Spionageflugzeuges am vergangenen Sonntag bekannt gegeben. Am Donnerstag hatte das iranische Fernsehen erstmals Bilder der US-Drohne gezeigt, die den Angaben zufolge nur minimale Schäden aufwies. US-Experten zeigten sich jedoch uneins, ob das Fluggerät echt ist. Der Chef der Sicherheitsfirma Global-Security.org, John Pike, sagte der „New York Times“, er habe weit größere Schäden erwartet. Luftfahrt-Experte Richard Healing äußerte hingegen, Drohnen seien im Grunde Gleiter, die sanft aufsetzen könnten, sollte ihnen der Treibstoff ausgehen. Vom Pentagon hieß es lediglich, Fachleute analysierten die Bilder des iranischen Fernsehens.

Dazu, wie die amerikanische Drohne in den Iran gelangte, gibt es verschiedene Versionen. So behaupten die Amerikaner, sie hätten das Fluggerät über dem Westen Afghanistans verloren. Die Iraner hingegen behaupten, den ferngesteuerten Flugroboter über eigenem Territorium mit einer Cyberattacke abgefangen zu haben. Die „Einheit zur elektronischen Kriegsführung“ habe die Tarnkappendrohne des Typs RQ-170 am 4. Dezember zur Landung gezwungen – und nicht nur gefunden, als sie über der Stadt Kaschmar rund 225 Kilometer von der afghanischen Grenze entfernt unterwegs gewesen sei, hieß es.

US-Militärs und Experten hatten dies unter dem Hinweis zurückgewiesen, der Iran verfüge gar nicht über die technischen Möglichkeiten. Die frühere Sicherheitsberaterin von US-Präsident George W. Bush, Fran Townsend, wies am Freitag jedoch darauf hin, dass sich Teheran die notwendige Technologie in China oder Russland beschafft haben könnte, sagte sie dem US-Fernsehsender CNN.

Man müsse ihrer Auffassung nach „mit Sorge“ betrachten, dass der Iran nun Einblick in die Tarnkappen-Technologie haben könnte, sollte Teheran tatsächlich im Besitz der Drohne sein, betonte Townsend. Dadurch könnte der Iran die geheime Technik kopieren. Auch die „New York Times“ schrieb, der Verlust einer Drohne vom Typ RQ-170 sei ein „potenziell erheblicher Schlag für den US-Geheimdienst“.

Nach Angaben der Nato-geführten Afghanistantruppe Isaf kann es sich um ein unbemanntes US-Aufklärungsflugzeug handeln, das bei einem Einsatz über dem Westen Afghanistans verloren gegangen sei. Teheran spricht von einer für Spionage eingesetzten Drohne.

Am Donnerstag war bereits die Schweizer Botschafterin in Teheran einberufen und über den iranischen Protest gegen die „verdeckte US-Provokationen“ informiert worden. Die Schweiz vertritt im Iran die US-Interessen. (dpa/abendblatt.de)