G-20-Gipfel

Merkozy an die Griechen: Geht doch, wenn ihr wollt

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Harald Schultz

Foto: Getty Images / Getty

Volksabstimmung entscheidet über alles: Euro oder Drachme - Hilfe oder Pleite

Cannes. Drama, Dilemma und Demokratie – alles Wörter, die die Griechen erfunden haben. Und genau das spielen sie nun mit Europa. Bundeskanzlerin Angela Merkel und der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy waren sichtbar erschöpft, als sie in der Nacht zum Donnerstag den Griechen sinngemäß zuriefen: „Dann geht doch, wenn ihr wollt.“

Mit seiner Volksbefragung hat Ministerpräsident Giorgios Papandreou alles miteinander verknüpft: die scharfen Sparpakete, die Hilfskredite, der Schuldenerlass und der Verbleib Griechenlands in der Eurozone. Wird das Land die Drachme wieder einführen? Papandreou spielte bei seinem Gespräch mit den Europäern im Festivalpalast mit der Leuchtreklame „Casino“ am Hafen von Cannes alles oder nichts. Nebenan dümpelten die Jachten der Superreichen.

Der Ausgang ist völlig unklar: Die Griechen wollen Umfragen zufolge zwar den Euro behalten. Sie sind aber gegen die Sparpakete. Und Papandreous Regierung ist so unpopulär, dass sie derzeit Wahlen verlieren würde. Tapfer sagte er über den Euro: „Wir werden ein 'Ja' bekommen.“

Es ist ein historischer Moment: Erstmals steht ein Euro-Land vor der Entscheidung, ob es aus der Währungsgemeinschaft austreten soll. Bislang war diese nur gewachsen, bis auf 17 Mitglieder. Rumänien und Polen wollen ebenfalls in den kommenden Jahren beitreten. Und nun haben rund 10 Millionen Griechen die gegenteilige Wahl, vermutlich schon Anfang Dezember. Das wird der Höhepunkt des Dramas.

Für Merkel und Sarkozy ist dies ein Wendepunkt. Bislang haben sie in der Finanzkrise alles dafür getan, damit die Euro-Zone zusammenbleibt: Hilfspakete geschnürt, Rettungsschirme aufgespannt, Regierungschefs von Schuldenländern ins Gebet genommen. Versucht, Geld in aller Welt zu mobilisieren.

Doch gegen eine Volksbefragung kommen sie nicht an. Frankreich selbst hat eine lange Tradition von Referenden. Als der Gründer der Fünften Republik, Charles de Gaulle, 1969 eines zur Dezentralisierung ausrief und verlor, trat er zurück. Präsident Jacques Chirac verlor 2004 das Referendum zur europäischen Verfassung. Sarkozy kann eine Volksbefragung einfach nicht ablehnen. Das ist sein Dilemma.

Deutschland und Frankreich sind mit ihrem Griechisch am Ende. Ihre eigenen Parteikollegen von den Konservativen in Athen, die alle Sparmaßnahmen ablehnen, gehen Merkel und Sarkozy auf die Nerven. „In Irland funktioniert's, in Portugal funktioniert's, in Spanien funktioniert's“, sagte Sarkozy. „Weil die Opposition und die Regierung sich einig sind“, sagte ein zunehmend wütender Sarkozy.

Ob denn ein „brutales deutsch-französisches Direktorat“ dem griechischen Volk derartige Sparbeschlüsse zumuten könne, fragte dann Jean Quatremer von der Pariser Zeitung „Libération“ seinen Präsidenten kurz vor Mitternacht. Da reagierte er endgültig sauer. „Macht uns das etwa Vergnügen? Haben wir nicht genügend Verantwortung in unseren eigenen Ländern zu tragen, Monsieur Quatremer?“

Und mit Griechenland enden die Mühen für ihn nicht. Sofort muss eine Brandmauer um Italien und Spanien gezogen werden, damit die Investoren nicht die Zinsen für diese Länder ins Unerträgliche hochtreiben. Ein Austritt Griechenlands, drei Prozent der Wirtschaftsleistung der Eurozone, mag noch zu verschmerzen sein. Nicht aber ein Wegbrechen Spaniens und Italiens.

Denn dann führte der Weg Deutschlands zurück zur D-Mark. Und zu einer Aufwertung, die sich gewaschen hat. Bei der die Exporte ins Bodenlose abstürzen würden. Und das Wachstum verdampfen würde. Und mit ihm die Arbeitsplätze.

Yes, we Cannes? Schau'n mer mal.

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