Comeback

Oskar Lafontaine liebäugelt mit Rückkehr in Bundespolitik

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Wegen einer Krebserkrankung hatte er sich von der Linken-Spitze zurückgezogen. Landesverbände sehen ein Comeback kritisch.

Berlin. Der frühere Linke-Vorsitzende Oskar Lafontaine kann sich eine Rückkehr in die Bundespolitik vorstellen. „Er schließt es für Notsituationen nicht aus“, sagte der Bundestagsfraktionschef Gregor Gysi. Im Augenblick habe Lafontaine aber nicht die Absicht, ein bundespolitisches Spitzenamt zu übernehmen. Was eine Notsituation ist, wollte Gysi nicht sagen. Er selbst sehe eine solche Lage derzeit nicht, betonte er. Der Fraktionschef berief sich bei seinen Aussagen auf ein Gespräch, das er mit Lafontaine über die Lage der Partei geführt hat. Lafontaine hatte sich im vergangenen Frühjahr wegen einer Krebserkrankung vom Parteivorsitz zurückgezogen . Seitdem führen Gesine Lötzsch und Klaus Ernst die Partei. Die Doppelspitze ist innerparteilich umstritten. Nach den Wahlniederlagen der Linken in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz waren Spekulationen über eine Rückkehr Lafontaines wieder hochgekocht.

Der saarländische Landtagsfraktionschef hatte erst Mitte März erklärt, dass er sich von seiner Erkrankung erholt hat. Spekulationen über eine Rückkehr in die Bundespolitik trat er selbst in Interviews aber entgegen. Er wolle zwar in Wahlkämpfen aktiv sein, habe aber keine darüber hinaus gehenden Ambitionen, sagte er.

Lafontaine lehnte jetzt über eine Sprecherin eine Stellungnahme zu den Äußerungen Gysis ab. Der 67-jährige führte die Partei nach der Gründung 2007 zusammen mit Lothar Bisky drei Jahre lang. Die beiden wirkten auch maßgeblich an dem Entwurf für das neue Parteiprogramm mit, das in diesem Herbst beschlossen werden soll. Lötzsch und Ernst sind bis zum Frühjahr 2012 gewählt. Gysi sprach sich dagegen aus, vorher über einen Wechsel an der Parteispitze zu diskutieren. „Personaldebatten brauchen wir nicht.“ Der Fraktionsvorsitzende forderte stattdessen eine inhaltliche Diskussion nach den Wahlschlappen. „Personen sind immer wichtig in der Politik, aber Inhalte sind wichtiger.“

Der Landeschef der Linken in Mecklenburg-Vorpommern, Steffen Bockhahn, hat sich indirekt gegen eine Rückkehr von Lafontaine an die Spitze der Bundespartei ausgesprochen. „Ich glaube, dass es nicht nötig ist, dass Oskar Lafontaine wieder ein Amt in der Bundespartei übernimmt“, sagte Bockhahn der Nachrichtenagentur dpa. Es gebe Jüngere in der Partei, denen eine Chance gegeben werden sollte.

„Ich weiß nicht, warum wir eine Personaldiskussion in der Bundesspitze anfangen sollten und warum Gregor Gysi das tut“, fügte der Bundestagsabgeordnete hinzu. Die jüngsten Wahlen in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg, bei denen die Linke den Einzug in die Landtage deutlich verpasste, seien wegen der Inhalte nicht gut gelaufen. Die Besetzung der Themen sei nicht falsch, aber die Linke müsse die Glaubwürdigkeit ihrer Forderungen hinterfragen.