Trauriger Rekord

Mehr als 700 Nato-Soldaten in Afghanistan getötet

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Ex-Bischöfin Margot Käßmann erneuert ihre Kritik am militärischen Konzept der Bundeswehr. USA weiten Bodeneinsätze in Pakistan aus.

Kabul/Hamburg. Die Zahl der getöteten Nato-Soldaten in diesem Jahr in Afghanistan hat einen neuen Rekordstand von mehr als 700 erreicht. Mit Stand vom Dienstag kamen Berechnungen der Nachrichtenagentur AFP auf Basis der Internetseite icasualties.org zufolge in diesem Jahr bereits 701 Soldaten der internationalen Schutztruppe Isaf in Afghanistan ums Leben. Im Schnitt starben täglich zwei Soldaten beim Einsatz.

Das Jahr 2010 ist das bislang mit Abstand verlustreichste Jahr seit Beginn des Einsatzes vor neun Jahren. Mit 493 getöteten Soldaten stehen die USA an der Spitze der traurigen Bilanz, sie stellen auch mit Abstand das höchste Truppenkontingent. Es folgt Großbritannien mit 101 toten Soldaten. Seit 2001 kamen laut icasualties.org insgesamt 2271 Nato-Soldaten ums Leben.

Unterdessen berichtete die „New York Times“, dass die USA in den pakistanischen Stammesgebieten eine Ausweitung grenzübergreifender Bodeneinsätze erwägen. Damit sei es möglich, militante Islamisten in dem Grenzgebiet aufzuspüren und nach Afghanistan zu bringen, um sie dort zu befragen, sagten ranghohe Militärvertreter der Zeitung. Ein entsprechender Plan sei aber noch nicht angenommen worden. Bislang sind die USA in Pakistan vor allem mit unbemannten Drohnen im Einsatz, was jedoch von Pakistan heftig kritisiert wird.

Unterdessen hat die ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD), Margot Käßmann, den Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan erneut kritisiert . „Es ist bedrückend, dass sich nichts verändert hat, außer dass noch mehr Opfer zu beklagen sind“, sagte die Theologin der „Leipziger Volkszeitung“. Noch immer sei nicht klar, wie die zivile Aufbaustrategie eigentlich aussehen und wie die Korruption bekämpft werden solle. „Es geht immer wieder nur um militärische Lösungen“, sagte Käßmann. Zwar werde jetzt auch vom Truppenabzug gesprochen, doch wie der Frieden in Afghanistan aussehen soll, das wisse man nicht. „Was ich als Christin erneut anmahne, ist die Erkenntnis, dass man mit Waffen keinen Frieden schaffen kann“, sagte sie.

Käßmann hatte vor knapp einem Jahr eine heftige Kontroverse um den Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr ausgelöst, als sie in ihrer Neujahrspredigt sagte: „Nichts ist gut in Afghanistan“ und eine Abkehr von der „Logik des Krieges“ forderte.