Soldaten in Deutschland

US-Armee zieht aus Heidelberg und Mannheim ab

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1450 Soldaten sollen Deutschland verlassen, Tausende werden in andere Städte verlegt. Grund ist die veränderte Sicherheitslage nach 9/11.

Heidelberg. Good bye GI: Die US-Armee gibt ihre deutschen Heeresstützpunkte Heidelberg und Mannheim komplett auf. Das teilte das US-Verteidigungsministerium am Mittwoch in Washington mit. Nach Angaben eines Sprechers des US-Heeres in Heidelberg sollen 1450 US- Soldaten Deutschland umgehend verlassen. 2000 der 6500 in Heidelberg und Mannheim stationierten US-Soldaten sollen bis zum Jahr 2015 nach Wiesbaden verlegt werden. 500 gehen nach Schweinfurt (Bayern), 300 nach Kaiserslautern und 150 nach Baumholder (beide Rheinland-Pfalz). Zudem wird das Generaldepot in Gießen geschlossen und nach Germersheim (Rheinland-Pfalz) verlegt.

Hunderte weitere Amerikaner und ihre Familien werden in den nächsten Jahren Baden-Württemberg verlassen; ihr Ziel steht nach Angaben des US-Army-Sprechers Bruce Anderson noch nicht fest. Ministerpräsident Stefan Mappus und der für die Streitkräfte zuständige Innenminister Heribert Rech (beide CDU) bedauerten den Abzug. Der Abbau im Südwesten ist ein weiterer Schritt der Umstrukturierung der US-Armee als Folge der veränderten Sicherheitslage nach dem 11. September 2001.

Freuen darf sich Hessen: In Wiesbaden entsteht für rund 90 Millionen Euro ein neues US-Hauptquartier. Es soll Ende Februar 2012 fertig sein und bietet Raum für mehr als 1000 Arbeitsplätze und modernste Elektronik. Von dort aus kann die US-Armee militärische Operationen in Europa steuern und hat alle dafür wichtigen Abteilungen wie Fernmelder, den Nachrichtendienst und das Personalwesen unter einem Dach konzentriert. Die bisherige Zentrale der Landstreitkräfte in Heidelberg wird dafür aufgegeben. Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) begrüßte die Pläne: Sie hätten zur Folge, dass 434 neue zivile Arbeitsplätze im Land entstünden.

Den Baden-Württembergern bleiben noch das militärische Hauptquartier „European Command“ (EUCOM) und die für Afrika zuständige Zentrale „Africom“ erhalten, beide in Stuttgart. „Die Landesregierung hat gemeinsam mit den Städten alles versucht, die US- Armee im Land zu halten. Während der Standort Stuttgart durch das Regionalkommando Africom gestärkt wurde, scheint das Engagement für Heidelberg und Mannheim nicht erfolgreich gewesen zu sein“, teilten Mappus und Rech mit.

Sie forderten für die betroffenen deutschen Zivilangestellten sozialverträgliche Lösungen. Die Städte bräuchten Unterstützung für die Umwandlung der freiwerdenden Liegenschaften. Die leeren Kasernen im Südwesten würden an den Bund zurückgegeben, sagte Anderson. Heidelberg und Mannheim hatten monatelang versucht, ihre Standorte zu sichern. Für Gespräche mit dem US-Ministerium waren die Oberbürgermeister Eckart Würzner (parteilos) und Peter Kurz (SPD) unter anderem vor einem Jahr nach Washington gereist, ebenso Baden- Württembergs Innenminister Rech.