Publizist Henryk M. Broder

Günter Grass ist "Prototyp des gebildeten Antisemiten"

| Lesedauer: 2 Minuten

In seiner Gedichtanalyse wirft Broder dem Literaten antisemitische Motive vor: „Damit im Nahen Osten endlich Frieden einkehrt und auch Günter Grass seinen Seelenfrieden findet, soll Israel ,Geschichte werden’. So sagt es der iranische Präsident, und davon träumt auch der Dichter beim Häuten der Zwiebel." Grass habe schon immer ein „Problem" mit Juden gehabt, „aber so deutlich wie in diesem ,Gedicht’ hat er es noch nie artikuliert".

Berlin. Der Literaturnobelpreisträger Günter Grass hat mit einem eigens verfassten Gedicht zum Atomkonflikt mit dem Iran eine Antisemitismus-Debatte entfacht. Der Publizist Henryk M. Broder bezeichnete den Schriftsteller am Mittwoch in einem Beitrag für die Tageszeitung „Die Welt“ als „Prototyp des gebildeten Antisemiten“. Grass’ Gedicht trägt den Titel „Was gesagt werden muss“. Zu lesen ist es in den jeweiligen Mittwoch-Ausgaben der „Süddeutschen Zeitung“, der „New York Times“ und von „La Repubblica“. In einer Passage des Gedichtes heißt es zu Israel: „Doch warum untersage ich mir, jenes andere Land beim Namen zu nennen, in dem seit Jahren - wenn auch geheimgehalten – ein wachsend nukleares Potential verfügbar aber außer Kontrolle, weil keiner Prüfung zugänglich ist?“

In seiner Gedichtanalyse wirft Broder dem Literaten antisemitische Motive vor: „Damit im Nahen Osten endlich Frieden einkehrt und auch Günter Grass seinen Seelenfrieden findet, soll Israel ,Geschichte werden’. So sagt es der iranische Präsident, und davon träumt auch der Dichter beim Häuten der Zwiebel.“ Grass habe schon immer ein „Problem“ mit Juden gehabt, „aber so deutlich wie in diesem ,Gedicht’ hat er es noch nie artikuliert“.

Der Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki (91) zieht es vor, zu dem am Mittwoch veröffentlichten politischen Gedicht von Günter Grass zu schweigen. Er sagte auf Anfrage der Nachrichtenagentur dapd: „Ich werde mich nicht über Grass äußern.“ Der Schriftsteller und Literaturnobelpreisträger warnt in seinem von der „Süddeutschen Zeitung“ veröffentlichten Gedicht vor der Lieferung eines U-Boots deutscher Produktion an Israel wegen der Gefahr eines Krieges mit Iran wegen einer „unbewiesenen“ Bedrohung Israels durch eine Atombombe.

Reich-Ranicki und Grass hatten früher einige Jahre lang ein gespanntes Verhältnis zueinander, nachdem der Kritiker 1995 den Grass-Roman „Ein weites Feld“ als „ganz und gar missraten“ bezeichnet hatte. Seit einigen Jahren herrscht Frieden zwischen ihnen. Zum 80. Geburtstag Grass’ im Jahr 2007 sagte Reich-Ranicki: „Ich gehöre zu den wenigen, die auch und ganz besonders die Lyrik von Grass schätzen und bewundern.“

(dapd)

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Politik