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US-Vorwahlen: „David" Santorum brüskiert „Goliath" Romney

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Er träumte vom Triumphzug zur Präsidentschaftskandidatur. Doch jetzt sind die US-Vorwahlen für den Multimillionär Romney nur noch pure Mathematik. Sein Kontrahent Santorum gewinnt die Wählerherzen, er die Delegierten.

Washington. Das meiste Geld, die besten Umfragewerte, die prominentesten Unterstützer. Bei der Kandidatensuche der Republikaner für die US-Präsidentschaft spricht alles für den Multimillionär Mitt Romney. Und doch stolpert der 65-Jährige auf dem Weg zur Nominierung als Gegenkandidat von Barack Obama immer wieder. Gleich zwei wichtige Vorwahlen musste er am Dienstag gegen seinen härtesten Widersacher Rick Santorum verloren geben. Mehr und mehr Experten sehen die Partei auf eine Zerreißprobe zusteuern – mit unvorhersehbaren Konsequenzen.

„Wir haben es wieder getan“, rief ein glücklicher Santorum nach dem Doppelschlag in Alabama und Mississippi seinen Unterstützern zu. Er habe erneut das Unmögliche möglich gemacht, gegen einen Favoriten gewonnen, der wesentlich mehr Geld in Wahlwerbung steckte, zuletzt in den Umfragen führte und sich der Welt als „unausweichlicher“ Kandidat präsentiert. „Normale Leute können den Wahrscheinlichkeiten trotzen, jeden Tag wieder“, sagt der 53-Jährige. Er weiß, wie die Amerikaner Geschichten à la „David gegen Goliath“ lieben. Und er liefert sie.

Nach 27 Vorwahlen ist die Kandidatenkür in der Halbzeit angekommen ohne eine klare Entscheidung in Aussicht zu stellen. So zermürbend ist das Rennen, dass Romney langsam die Ideen auszugehen scheinen, wie er seinen Führungsanspruch noch begründen soll. Nach den Niederlagen am Dienstag ließ er sich nicht mal mehr vor den TV-Kameras blicken, sondern reagierte nur mit einer schriftlichen Erklärung. „Wir sind noch näher an der Nominierung dran“, ließ er verlauten. Schließlich habe er weit mehr Delegierte als die Kontrahenten.

Diese nüchterne Mitteilung zeigt das ganze Dilemma für Romney auf: Was für den Ex-Gouverneur ein Triumphzug zum Wahlparteitag der Republikaner in Florida im Sommer hätte sein sollen, hat sich zu einem mühsamen Aufaddieren von Delegiertenstimmen entwickelt. Neun in Alabama, 13 in Mississippi sowie neun in Hawaii, wo er am Dienstag ebenso wie in Amerikanisch Samoa mit sechs Delegierten gewann. Das genügte für den 65-Jährigen mathematisch sogar zum Tagessieg und Ausbau seiner Gesamtführung gegen Santorum und Newt Gingrich. Und doch galt er als Verlierer des Abends.

Besonders zynisch brachte Ex-Parlamentspräsident Gingrich am Dienstag den Vorwahlverlauf auf den Punkt: „Wenn Du der Favorit bist und Du kommst ständig als Dritter ins Ziel, dann hast Du nicht viel von einem Favoriten“, sagte er. Der 68-Jährige erlebte zwar selbst einen enttäuschenden Abend, sammelt aber ebenso wie Santorum und der Abgeordnete Ron Paul fleißig weiter Delegierte. Allein kommt zwar keiner von ihnen an Romney ran, der mit 459 Delegierten führt. Aber zusammen bieten sie ihm mit insgesamt 439 ordentlich Paroli. Mindestens 1144 sind für die Ernennung zum Kandidaten notwendig.

Nicht wenige konservative Parteigenossen wünschen sich daher, dass zumindest der chancenlose Gingrich aus dem Rennen ausscheidet und den Weg für einen Zweikampf zwischen dem ultrarechten Santorum gegen den eher moderaten Romney frei macht. Auch Santorum selbst bringt diese Möglichkeit zunehmend ins Spiel: „Es wäre wunderbar, wenn er aus dem Rennen aussteigen würde“, sagte er jüngst in einem Radiointerview.

Doch ein solches Duell könnte die Partei auch nachhaltig beschädigen, meinen Experten. Denn die Präsidentschaftswahl im November findet nur rund zwei Monate nach dem Parteitag statt. Die Republikaner bräuchten aber vermutlich länger, um sich nach einer Kampfabstimmung über ihren Kandidaten zusammenzuraufen, um Obama mit vereinten Kräften aus dem Weißen Haus zu manövrieren. Kein Wunder, dass der Amtsinhaber die Vorwahlen mit großer Gelassenheit beobachtet.

Von Marco Mierke

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