Kampf gegen Assad

Al-Qaida ruft die Syrer zu Widerstand auf

Al-Qaida-Chef Aiman al-Sawahiri ruft zum verstärkten Widerstand in Syrien auf. Die Arabische Liga kommt heute zu neuen Beratungen zusammen.

Damaskus. Neuer Sprengstoff im Syrien-Konflikt: al-Qaida-Chef Aiman al-Sawahiri hat die Aufständischen in Syrien zu verstärktem Widerstand gegen Präsident Baschar al-Assad aufgerufen. „Wenn wir Freiheit wollen, müssen wir dieses Regime loswerden“, appellierte Al-Sawahiri in einer am Sonntag auf einer islamistischen Internetseite übertragenen Videobotschaft an die Rebellen. Diese dürften sich dabei weder auf die westlichen Regierungen noch die der anderen arabischen Länder verlassen. Der Chef des Extremistennetzes sagte, trotz massiven Blutvergießens eskaliere der Widerstand gegen die syrische Regierung. „Setzt eure Revolte und euren Aufruhr fort“, forderte Al-Sawahiri. „Akzeptiert nichts anderes als unabhängige, respektvolle Regierungen!“ Bereits im Juli vergangenen Jahres hatte sich der al-Qaida-Chef mit einer ähnlichen Botschaft an die syrische Protestbewegung gewandt. Al-Sawahiri ist Nachfolger von Osama bin Laden, der im vergangenen Mai in Pakistan von US-Elitesoldaten erschossen worden war.

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Derweil gab es einen erneuten Dämpfer für die Arabische Liga: Unmittelbar vor den Beratungen über eine Ausweitung der Beobachtermission in Syrien hat der Leiter der arabischen Teams das Handtuch geworfen. Der sudanesische General Mohammed al-Dabi reichte nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa am Sonntag seinen Rücktritt ein. In vielen Regionen Syriens weiten sich die Kämpfe der Streitkräfte mit Deserteuren aus. Der türkische Außenminister Ahmet Davutoglu geht nach türkischen Medienberichten davon aus, dass bereits 40 000 syrische Soldaten fahnenflüchtig sind.

Die US-amerikanische Verlagsgruppe McClatchy hatte am Samstag unter Berufung auf US-Geheimdienstkreise berichtet, dass die verheerenden Anschläge sowohl in Aleppo als auch auf Sicherheitseinrichtungen in Damaskus mit hoher Wahrscheinlichkeit auf das Konto der irakischen Al-Kaida gehen. Im Kampf gegen die alawitische Führungsriege wolle das sunnitische Terrornetzwerk seinen Einfluss ausweiten, lautete die Argumentation. Am Sonntagnachmittag kamen die Außenminister der Arabischen Liga in Kairo zusammen, um über den künftigen Umgang mit dem Assad-Regime zu entscheiden. Beraten werden sollte über den Vorschlag, den derzeit unterbrochenen Einsatz von Beobachtern gemeinsam mit den Vereinten Nationen fortzusetzen. Die Organisation war zuvor mit ihrem Ziel gescheitert, das Blutvergießen mit Hilfe der arabischen Beobachter zu beenden. Liga-Chef Nabil al-Arabi sagte bei der Eröffnung der Sitzung, Russland habe bereits seine Unterstützung einer Ausweitung der Mission signalisiert.

Die Liga debattiert auch über ein Dokument, das Saudi-Arabien nach dem Scheitern einer Resolution im Weltsicherheitsrat der UN-Vollversammlung vorlegen will. Wie der US-Fernsehsender CNN berichtete, wird in dem dreiseitigen Papier die Verletzung von Menschenrechten durch das syrische Regime scharf verurteilt. Von der UN-Vollversammlung gab es bislang keine Bestätigung für den Eingang des Dokuments aus Riad. Die Vollversammlung kann zwar offiziell Verurteilungen aussprechen, sie haben aber rein appellativen Charakter. Gemeinsam mit China hatte Russland am vergangenen Wochenende eine ohnehin abgeschwächte Syrien-Resolution im Weltsicherheitsrat scheitern lassen.

Wenige Stunden vor dem Treffen der Arabischen Liga nahmen Regierungstruppen erneut mehrere syrische Oppositionshochburgen unter Beschuss. Mindestens elf Menschen wurden nach Angaben von Aktivisten allein am Sonntagvormittag landesweit getötet, die meisten von ihnen in der seit einer Woche unter Beschuss stehenden Stadt Homs. Am Samstag wurden landesweit knapp 50 Tote vermeldet, die meisten ebenfalls in Homs.

Die syrischen Truppen stoßen dabei offenbar immer mehr auf bewaffneten Widerstand. Kämpfe wurden auch aus Al-Kusair an der syrisch-libanesischen Grenze gemeldet. In Damaskus wurde ein ranghoher Militärvertreter des Regimes laut staatlicher Nachrichtenagentur von „Terroristen“ vor seinem Haus erschossen. Wegen der Medienblockade sind Berichte aus Syrien von unabhängiger Seite nur schwer überprüfbar.

Papst Benedikt XVI. rief die syrische Führung zur Einstellung der Gewalt auf und mahnte, auf die Forderungen der Opposition nach Demokratie einzugehen. Vor Tausenden Gläubigen auf dem Petersplatz erinnerte der Papst an die Todesopfer, die Verwundeten und alle Menschen, die seelisch unter dem Konflikt litten. Die UN geht davon aus, dass inzwischen 6000 Menschen in dem fast einjährigen Aufstand ums Leben gekommen sind.