Klimagipfel in Kopenhagen

China fordert bei Klimagipfel mehr Anstrengungen von Industriestaaten

Am zweiten Tag der Weltklimakonferenz hat China mehr Zugeständnisse der Industriestaaten bei der Verringerung von Treibhausgasen verlangt.

Kopenhagen. Der stellvertretende Leiter der chinesischen Delegation, Su Wei, appellierte am Dienstag an die Verantwortung der reichen Nationen als Hauptverursacher des Klimawandels. „Der Treibhausgas-Ausstoß der USA, Japans und anderer Industrieländer steigt nach wie vor“, kritisierte Su. Unterdessen stieß die Entscheidung der US-Umweltbehörde, Treibhausgase als gesundheitsschädigend einzustufen und damit den Handlungsspielraum der amerikanischen Regierung zu erweitern, bei Umweltschützern auf ein positives Echo.

Nach den Worten Su Weis müssen die Industriestaaten dafür sorgen, dass der Emissionsausstoß so bald wie möglich seinen Höhepunkt erreicht. Insbesondere die Klimaziele der USA seien zu niedrig, kritisierte er. Die US-Regierung will bis 2020 die Emissionen des Landes um knapp vier Prozent im Vergleich zu 1990 drosseln. Washington und die EU fordern ihrerseits von China mehr Einsatz beim Klimaschutz. Der chinesische Unterhändler hob zugleich hervor, dass große Schwellenländer wie China ihre Emissionen zunächst weiter steigern müssten, um ihren Lebensstandard zu erhöhen. Peking will seinen CO2-Ausstoß zwar relativ zur Wirtschaftskraft deutlich drosseln, insgesamt soll der Ausstoß aber bis etwa 2030 zunehmen. Die Volksrepublik ist mittlerweile der größte Produzent von Treibhausgasen weltweit.

Su Wei mahnte auch umfangreiche Klimahilfen für Entwicklungsländer an. Der geplante Fonds, der von 2010 bis 2012 je zehn Milliarden Dollar im Jahr umfassen soll, reiche nicht aus. Auf jeden einzelnen Bürger aus den Industriestaaten käme damit eine Belastung von unter zwei Dollar jährlich zu: „Für zwei Dollar bekommen Sie hier in Dänemark nicht einmal einen Kaffee.“ Die Entscheidung der US-Umweltbehörde weckte derweil Hoffnungen auf weitergehende Zusagen der USA im Kampf gegen die Erderwärmung. „Das ist eine großartige Nachricht“, erklärte Keya Chatterjee von der Umweltstiftung WWF. Martin Kaiser von Greenpeace sagte: „Jetzt kann US-Präsident Barack Obama weitgehende Ziele zur CO2-Reduktion in Kopenhagen vorlegen.“ Auch der Chef des UN-Klimasekretariats, Yvo de Boer, sprach von einem wichtigen Fortschritt.

Die Einstufung von Treibhausgasen als gesundheitsschädigend erlaubt es US-Präsident Obama, ohne Zustimmung des Kongresses den Klimaschutz voranzutreiben. Ein nationales Klimagesetz, das erstmals CO2-Reduktionsziele und ein Emissionshandelsystem in den USA vorsieht, steckt derzeit im US-Senat fest. Die Organisation Germanwatch stellte beim Gipfel eine Studie vor, wonach unterentwickelte Staaten von Wetterkatastrophen im Zuge der Erderwärmung am stärksten betroffen sind. Demnach richteten Unwetter zwischen 1990 und 2008 die weltweit schwersten Schäden in Bangladesch, Birma und Honduras an. Im vergangenen Jahr litten besonders die Menschen in Birma, Jemen und Vietnam unter Stürmen, Überschwemmungen und anderen extremen Wetterereignissen.

Insgesamt starben der Untersuchung zufolge zwischen 1990 und 2008 rund 600.000 Menschen weltweit durch Wetterkatastrophen. Der volkswirtschaftliche Schaden belaufe sich auf rund 1,7 Billionen US-Dollar. Der Klima-Risiko-Index von Germanwatch stützt sich auf Daten des Rückversicherers Münchner Rück. Meteorologen legten in Kopenhagen neue Daten zur globalen Temperaturentwicklung vor. Demnach gehört das Jahr 2009 zu den wärmsten Jahren seit Beginn der Wetteraufzeichnung 1850. Alles weise darauf hin, dass das zu Ende gehende Jahr das fünfwärmste seit mehr als 150 Jahren sei, sagte der Generalsekretär der Weltwetterorganisation (WMO), Michel Jarraud.

Derzeit liegt den WMO-Angaben zufolge die durchschnittliche globale Temperatur um rund 0,4 Grad Celsius über dem Durchschnitt des Zeitraums zwischen 1961 und 1990. Die Jahre von 2000 bis 2009 wiesen die höchste je gemessene Durchschnittstemperatur im Vergleich zu früheren Jahrzehnten auf.

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