Islamismus

Islamprofessor: Stärker den Extremismus anprangern

Der Islamexperte Bülent Ucar appelliert an die Muslime in Deutschland appelliert, deutlicher gegen islmaistische Extremisten Stellung zu beziehen.

Frankfurt/Main. Der islamische Religionspädagoge Bülent Ucar hat an die mehr als drei Millionen Muslime in Deutschland appelliert, deutlicher als bisher ihre Stimme gegen den Islamismus zu erheben. „Wir dürfen uns unsere Religion nicht von einer Minderheit von Extremisten kaputt machen lassen“, sagte der Professor an der Universität Osnabrück am Sonnabend in Frankfurt Main bei einer Tagung des Landesausländerbeirats Hessen. Obwohl sich die überwältigende Mehrheit vom islamischen Terrorismus distanziere, hätten es die muslimischen Verbände bis heute versäumt, „theologische Oppositionspapiere“ zu formulieren.

Ucar sprach sich vehement für einen Dialog zwischen den Angehörigen der verschiedenen Religionsgemeinschaften und für Kooperationen aus, „weil sie zum Verständnis der Menschen untereinander und zum Frieden in einer friedlosen Welt beitragen“. Dabei müsse aber darauf geachtet werden, dass die Gespräche gleichberechtigt, im Respekt vor dem Anderen und ohne Missionierungsabsicht geführt würden.

Der Wissenschaftler setzte sich zudem für die Einführung eines bekenntnisorientierten Islamunterrichts ein, wie er derzeit in Hessen sowohl von den Muslimen als auch der Landesregierung angestrebt wird. Dieser Unterricht müsse noch stärker als der Religionsunterricht der beiden christlichen Kirchen interreligiös ausgerichtet sein, da die jungen Muslime sich in Deutschland in einem säkular und christlich geprägten Umfeld bewegten. Er sei auch notwendig, um deren Integration und „Beheimatung“ zu ermöglichen.

Dass es an den hessischen Schulen noch keinen islamischen Religionsunterricht gebe, führte Ucar unter anderem darauf zurück, dass Politik und islamische Verbände in dem Bundesland „noch nicht so offen und ehrlich miteinander umgehen, wie es erforderlich wäre“.

Der hessische Integrationsminister Jörg-Uwe Hahn (FDP) setzte sich für die Gleichstellung der islamischen Religion an den hessischen Schulen ein. Voraussetzung für die Einführung eines islamischen Bekenntnisunterrichts sei allerdings, dass es für den Staat muslimische Ansprechpartner gebe, die „ein Mindestmaß an Organisation und Größe“ aufwiesen. Außerdem sollte die Möglichkeit des Austritts gegeben und die Abhängigkeit von anderen Staaten „nicht zu groß sein“.

Als Beispiele für gelungene Kooperationen wurden auf der Tagung das Abrahamische Forum und das Deutsche Islamforum, die interreligiöse Fraueninitiative Sarah und Hagar sowie ein Gemeinschaftsprojekt der Union der muslimischen Theologen und Islamwissenschaftler in Deutschland und der Evangelischen Akademie der Pfalz zu einer islamischen Seelsorge vorgestellt.