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Potsdamer Hells Angels aufgelöst – Szene in Bewegung

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Von Marion van der Kraats

In Berlin wird immer noch darüber gerätselt, wie ein Verbot einer Hells Angels-Gruppe vorzeitig bekannt werden konnte. In Potsdam lösen sich die Höllenengel auf. Weiter unklar ist auch, wer auf einen Berliner Rockerchef geschossen hat.

Potsdam. Die Potsdamer Ortsgruppe der Hells Angels hat sich aufgelöst. Auf der Internetseite der Rocker heißt es: „Das Charter HAMC Potsdam ist aufgelöst und die dazugehörigen Support Clubs.“ Gründe werden nicht genannt. Die „Bild“-Zeitung vermutet, dass die Hells Angels damit einem Verbot zuvor gekommen sind. Ein Rocker bestätigte der „Bild“-Zeitung die Auflösung des Clubs und örtlicher Unterstützer-Gruppen. Was aus dem Clubhaus in der Potsdamer Charlottenstraße werde, sei noch unklar. Der Polizei ist der Vorgang bekannt. „Wir haben aber derzeit keine weiteren Erkenntnisse“, sagte eine Sprecherin am Samstag.

„Man kann beobachten, dass die Szene in den vergangenen Tagen sehr in Bewegung gekommen ist“, sagte ein Sprecher des brandenburgischen Innenministeriums. Die Auflösung scheine ein Ausdruck dessen zu sein. „Sie wird aber nicht dazu führen, dass wir den Druck zurücknehmen“, betonte Brandt. Es gebe zahlreiche andere Orte in Brandenburg, in denen die Rocker aktiv seien. „Das Problem ist nach wie vor vorhanden.“

Die Szene in Berlin und Brandenburg steht seit einigen Tagen unter besonders intensiver Beobachtung. Es hat mehrere Razzien gegeben. Auch das Potsdamer Vereinshaus der „Höllenengel“ war zweimal durchsucht worden. Die Polizei ermittelt wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz.

Auslöser war ein Verbot der Hells Angels in Berlin Ende Mai: Der Senat hatte die einflussreichste Hauptstadt-Gruppe verboten. Mehrere Mitglieder der Berliner Hells Angels und der verfeindeten Bandidos waren zuvor zu den Brandenburger Rockern übergelaufen. Seitdem rumort es kräftig in der Szene. Die Polizei befürchtet Racheakte. Bei der zweiten Durchsuchung Anfang Juni im Potsdamer Vereinsheim trafen die Beamten ehemalige Bandidos aus der Hauptstadt an. Bei einer groß angelegten Razzia am 7. Juni durchsuchten rund 1000 Polizisten 74 Wohnungen, Arbeitsstätten und Vereinsheime in Berlin und Brandenburg.

Dem am vergangenen Sonntag mit sechs Kugeln niedergeschossenen Chef der Berliner Hells Angels Nomads soll es inzwischen besser gehen. So gaben es die Hells Angels am Freitag in einer Pressekonferenz bekannt. Wer hinter dem Attentat steckt, ist weiterhin unklar. Die Polizei sucht immer noch nach dem Täter. Am Samstag gab es keine neuen Erkenntnisse. Auch die Höllenengel haben nach eigenen Aussagen keine Ahnung, wer auf den 47-Jährigen geschossen hat, schließen aber einen Angriff aus den eigenen Reihen aus.

Weiter gerätselt wird auch darüber, wie ein Verbot der Hells Angels-Gruppe in der Hauptstadt vorzeitig bekannt werden konnte. Medien in Brandenburg mutmaßten, die Rocker in Potsdam seien ebenfalls einem Verbot zuvorgekommen. „Solche Spekulationen tragen nicht zur Aufklärung bei“, sagte der Sprecher des Innenministeriums knapp.

Die amtierende Berliner Polizeipräsidentin Margarete Koppers hatte am Freitag in einer Sondersitzung des Innenausschusses im Abgeordnetenhaus erklärt, dass der Personenkreis, aus dem die vertraulichen Informationen zu dem Verbot Ende Mai weitergegeben worden sein könnten, sehr groß sei. Von der Verbotsverfügung hätten im Vorfeld unter anderem Mitarbeiter der Polizeipressestelle, Mitarbeiter von Bundesinnen- und Justizministerium sowie der Innenbehörde in Brandenburg gewusst. Es sei weiter offen, ob die „sensiblen Informationen von einer oder mehreren Personen geflossen sind und wer davon zuerst Kenntnis erhielt – Spiegel online oder die betroffenen Motorradclubs.“

(dpa/bb)