Plagiatsvorwurf

Hat Schavan geschummelt? Jetzt prüft der Promotionsausschuss

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abendblatt.de

Das Gremium der Philosophischen Fakultät an der Universität Düsseldorf sei dabei, sich die dafür nötigen Materialien zu beschaffen

Berlin. Der zuständige Promotionsausschuss der Uni Düsseldorf hat begonnen, den Plagiatsvorwürfen gegen Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) nachzugehen. Das Gremium der Philosophischen Fakultät sei dabei, sich die dafür nötigen Materialien zu beschaffen, sagte ein Sprecher der Heinrich-Heine-Universität am Freitag. „Wann ein Ergebnis vorliegt, ist noch völlig offen.“

Der Ausschuss hat sieben Mitglieder und setzt sich zusammen aus Professoren, wissenschaftlichen Mitarbeitern und einem Vertreter der Studenten. Schavan ist mit dem anonymen Vorwurf konfrontiert, in ihrer vor 32 Jahren eingereichten Dissertation im Fach Erziehungswissenschaften fänden sich Plagiate. Sie soll Quellen nicht immer ausreichend benannt haben.

Unterdessen war die Website mit den anonymen Plagiatsvorwürfen gegen Schavan am Freitag im Internet über mehrere Stunden hinweg nicht erreichbar. Die Seite „Schavanplag“ sei wegen Verstößen gegen die Nutzungsbedingungen („Terms of Service“) archiviert oder suspendiert worden, hieß es zunächst auf der Plattform des US-Betreibers Wordpress.com. Am Nachmittag wiederum konnte man dann wie zuvor wieder Einblick in die Auflistung der angeblichen Plagiatsverstöße bei Schavans 32 Jahre alter Doktorarbeit nehmen.

Eine Erläuterung, warum die Seite für mehrere Stunden gesperrt wurde und um welche Verstöße gegen die Nutzungsbedingungen es sich handelte, gab Wordpress.com nicht.

Schavan wird von einem anonymen Plagiatsjäger vorgeworfen, Quellen in ihrer Dissertation nicht ausreichend benannt zu haben. In dem Blog wurden dazu zahlreiche Stellen mit Textvergleichen aufgelistet. Die Ministerin hat die Anschuldigung zurückgewiesen und Aufklärung zugesagt.

Der anonyme Plagiatsjäger, der sich hinter dem Pseudonym „Robert Schmidt“ verbirgt, hatte Anfang Mai per Fax mehreren Zeitungsredaktionen einen Hinweis auf die Internetseite mit den Vorwürfen gegeben. Die Seite war ab April aufgebaut und immer wieder erweitert worden.

Die Plattform für die Internetseite wird von dem amerikanischen Anbieter Wordpress.com betrieben. Blogs wie der „Schavanplag“ können dort quasi von jedermann auch anonym eingestellt werden. In den Nutzungsbedingungen von Wortpress.com wird ausdrücklich betont, dass der Betreiber jede Verantwortung für die Richtigkeit der eingestellten Inhalte ablehnt. Eine Überprüfung durch Wordpress.com finde nicht statt, heißt es. Für das Einrichten der Seite wird eine Schutzgebühr verlangt.

Mit Material von dpa