Wolfgang Kubicki ist ein Mann der klaren Worte und weiß, dass man ihn mag oder ablehnt. „Ich polarisiere offensichtlich“, sagte die unumstrittene Nummer eins der Nord-Liberalen immer wieder. In den vergangenen Wochen war der rhetorisch beschlagene Jurist ein gefragter Gast in Fernseh-Talkshows. Kubicki greift gerne an – den politischen Gegner und immer wieder auch die eigene Partei.

Kiel. Sabine Leutheusser-Schnarrenberger hatte es besonders eilig. Elf Minuten nach Schließung der Wahllokale in Schleswig-Holstein beglückwünschte die bayerische FDP-Chefin ihrem Parteifreund Wolfgang Kubicki zum Wiedereinzug in den Landtag. „Kubicki führt FDP aus dem Tal der Tränen“, schrieb die Justizministerin beglückt.

Kubicki freute sich am Sonntagabend über einen „unglaublichen Erfolg“, der ihn stolz mache. Viele haben die FDP wegen Kubicki gewählt. Der FDP-Ehrenvorsitzende Hans-Dietrich Genscher bezeichnete am Wochenende im „Welt“-Interview noch seinen Parteifreund als „unvergleichlich“. Kubicki mische ein ganzes Bundesland auf. Selbst Leute, die seinen Meinungen nicht teilten, würden ihn mögen.

„Ich polarisiere offensichtlich“

Der 60-Jährige ist ein Mann der klaren Worte und weiß, dass man ihn mag oder ablehnt. „Ich polarisiere offensichtlich“, sagte die unumstrittene Nummer eins der Nord-Liberalen immer wieder. In den vergangenen Wochen war der rhetorisch beschlagene Jurist ein gefragter Gast in Fernseh-Talkshows. Kubicki greift gerne an – den politischen Gegner und immer wieder auch die eigene Partei. Den Zustand der Liberalen verglich der einstige Freund des verstorbenen FDP-Politikers Jürgen Möllemann Ende 2010 mit der „Spätphase der DDR“.

Nach 38 Jahren in der Opposition brachte Kubicki die Nord-Liberalen im September 2009 zurück in Regierungsverantwortung. Das Ergebnis von damals mit fast 15 Prozent ist zwar weit entfernt vom aktuellen Resultat. Angesichts des Siechtums der Bundes-FDP sind über acht Prozent aber schon ein dickes Ausrufezeichen.

Seit 16 Jahren führt der gebürtige Braunschweiger die Landtags-Fraktion im Kieler Landeshaus. Einen eigenen Ministerposten lehnte der Jurist früher vehement ab. Doch auch ohne ist er seit Jahren der starke Mann der FDP im Norden. Anfang März überraschte er seine Partei jedoch mit der Ankündigung, sich im Falle einer Regierungsbeteiligung der FDP nach der Wahl im Mai um das Amt des Finanzministers bemühen zu wollen.

In dritter Ehe verheiratet

Der Vater zweier erwachsener Kinder ist in dritter Ehe mit der Rechtsanwältin Annette Marberth-Kubicki verheiratet. Vor gut einem Jahr wurde das erste Enkelkind geboren. Seit Jahren lebt der Liberale in einem Haus im beschaulichen Kieler Vorort Strande mit unverbautem Blick auf die Ostsee. Im dortigen Hafen liegt auch sein Motorboot „Liberty“. An freien Tagen fährt er damit auf der Ostsee über das Wasser. „In Strande weiß man dann: Kubicki spielt wilde Sau“, sagte er 2009 in einem Interview.

Sich selbst beschreibt der streitbare Liberale als sehr rationalen Menschen. „Was gelegentlich den Eindruck hervorruft, dass ich emotionslos sei oder arrogant. Dem ist aber natürlich nicht so“, sagt er. Außerdem rede er manchmal schneller als er denke. „Weil ich das Spiel mit der deutschen Sprache und auch Ironie liebe, bin ich manchmal mit Sprüchen relativ schnell zur Hand.“

Golf statt Motorrad

Sein Motorrad hat der langjährige Biker mittlerweile verkauft. „Früher bin ich Motorrad gefahren, jetzt gehe ich auf den Golfplatz“, sagt er. Dabei habe er viele Stunden lang den Kopf frei. „Das einzige, was mich dann beschäftigt, ist die spannende Frage, warum fliegt die kleine weiße Kugel nicht dahin, wo ich sie hin haben will.“

In gute Laune versetzt den Genussmenschen Kubicki neben dem Essen vor allem das Flirten. „Mir macht es Spaß, Menschen zu beobachten und dann mit ihnen in Kommunikation zu treten.“

Am kommenden Sonntag soll Christian Lindner in Nordrhein-Westfalen das zweite Kapitel zum Wiedererstarken der Liberalen schreiben. Am Wochenende wurde Lindner zum Chef der NRW-FDP gewählt. Kubicki und Lindner gehörten an einem Wochenende die Schlagzeilen, an dem auch Putschgerüchte gegen Parteichef Philipp Rösler die Runde machten. „Er kann beruhigt schlafen“, sagte Kubicki dazu.

(dapd-nrd)