Kunst-Podcast

50 Quadratmeter Prunk – und der Maler versteckt sich im Bild

Podcast Kunsthalle

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Lars Haider spielt mit Kunsthallen-Direktor Alexander Klar "Ich sehe was, was du nicht siehst". Heute: ein Historiengemälde.

Ein Bild, so riesig, dass Spitzwegs „Armer Poet“ aus seiner Dachkammer sicher gern auf diese Fläche umgezogen wäre. Ein Historiengemälde mit dem Panorama einer Kino-Leinwand. Hans Makarts Historiengemälde „Der Einzug Kaiser Karls V. in Antwerpen“ will mit seinen 50 bemalten Quadratmetern nicht beeindrucken, es soll überwältigen.

Als der Österreicher Makart (1840 – 1884) es 1878 malte, war die Zeit dieser Prunk-Tapeten zur Beweihräucherung bedeutender historischer Gestalten eigentlich ebenfalls Geschichte.

Doch das war dem Gründerzeit-Pompmaler Makart egal. Drei Jahre nach der Vollendung kam das Bild, für 130.000 Mark aus Wiener Privatbesitz angekauft, in die Kunsthalle. Makart hatte nicht nur einen schillernden Ruf und eine Schwäche für Ausstattungs-Orgien, er hatte offenbar auch Humor und Sinn für Schmäh. Denn obwohl sich die Szene, die er in prächtiger Detailverliebtheit ausbreitet, auf das Jahr 1520 zurückgeht, porträtierte er hier, da und dort bekannte Persönlichkeiten aus der damaligen feinen Wiener Gesellschaft ins Personal-Gewühl seiner imperialen Machtinszenierung hinein.

Die zentrale Blumenstreuerin war Makarts Lieblingsmodell Hanna Klinkosch, eine spätere Fürstin Liechtenstein. Sich selbst verewigte Makart gleich mit: rechts neben dem Pferdekopf.

Inspiriert hatte Makart womöglich eine Notiz des Kollegen Albrecht Dürer, der diese Szene mit eigenen Augen miterlebt hatte. Und als kleinen Dank platzierte Makart ihn links unterhalb der Tribüne. Seinerzeit in Wien war dieses Gemälde ein Publikumsmagnet: Tausende kamen – gegen Eintritt - in Makarts Atelier, um es zu bestaunen, die Polizei regelte den Publikumsverkehr.

Seine Spezialität war das „Sensationsbild“, nach der „Huldigung der Caterina Cornaro“ legte Makart, der „Maler der Sinne“, mit seinem Antwerpen-Panorama üppig nach. Ein Talent zur Selbstvermarktung hatte er auch. Er machte nicht nur Drucke, Fotos und Postkarten zu Geld, sondern auch den Rummel um die eigene Person. Und während Makart sich die Welt malte, wie sie seinem Publikum gefiel, entwickelten die Impressionisten schon ganz andere Perspektiven.

Dieses und andere Werke können Sie hier in der Online-Sammlung der Hamburger Kunsthalle sehen