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Fußball-Blogger Pit Gottschalk: „Kühne muss den Mund halten“

Pit Gottschalk, Fußball-Experte und Blogger

Pit Gottschalk, Fußball-Experte und Blogger

Foto: Witters

Abendblatt-Chefredakteur Lars Haider spricht im Podcast „Fünf Tage, fünf Köpfe: Wie geht es weiter mit dem HSV?“ mit Experten.

Hamburg. Bundesliga-Aufstieg verpasst, Trainer und Sportvorstand rausgeworfen, die Mannschaft löst sich auf – und eine Frage bleibt: Was wird aus dem HSV? Abendblatt-Chefredakteur Lars Haider spricht darüber mit Experten in dem Podcast „Fünf Tage, fünf Köpfe: Wie geht es weiter mit dem HSV?“ In Folge zwei rät Pit Gottschalk, legendärer früherer Chef der „Sport Bild“ und Fußball-Blogger („Fever Pit’ch“) Investor Klaus-Michael Kühne, den Mund zu halten, und sagt, warum er Bruno Labbadia vermisst.

Pit Gottschalk über . . .

… den permanenten Austausch von Trainern, Vorständen, etc.:

„Das ist das größte Geheimnis dieses Vereins. Man meint offenbar, man müsste ständig neue Impulse setzen. Der Widerspruch zwischen der Erwartungshaltung und der Realität ist so groß, dass der Verein einfach nicht zur Ruhe kommt. Es ist schon erstaunlich, dass man immer wieder Trainer holt, die bundesweit geschätzt werden und denen es dann wie den Spielern geht: Sobald ein Trainer zum HSV kommt, wird er schlechter. Irgendetwas stimmt in dem Umfeld des Vereins nicht, irgendetwas ist kaputt in der Struktur, der HSV ist eine Großbaustelle. Es kann nicht am Trainer liegen, der HSV hat wirklich alle Trainer-Typen ausprobiert, die es in diesem Land gibt.“

… den verpassten Aufstieg in die erste Liga:

„Ich habe mich sehr geärgert, der Nicht-Aufstieg war so etwas von überflüssig. Aber vielleicht ist das genau das, was der HSV jetzt braucht, um sich besinnen. Wenn der Club sich irgendwie in die erste Liga gewurschtelt hätte, hätte man nicht genau auf die Probleme geschaut. Ich habe jetzt die Hoffnung, dass endlich entschiedene Maßnahmen getroffen werden, die zu einer Art Häutung führen.“

Ziele für die kommende Saison:

„Der HSV muss um die ersten beiden Plätze in der zweiten Liga mitspielen. Etwas anderes zu behaupten wäre so, als wenn die Verantwortlichen bei Bayern München als Ziel ausgeben würden, „oben mitzuspielen“. Das würde niemand glauben. Man kann den Druck nicht vom HSV nehmen, das geht bei einem Verein dieser Größe und mit dieser Geschichte nicht.“

… den Wendepunkt in der Geschichte des HSV:

„Für mich war der Knick die zweite Entlassung von Bruno Labbadia als Trainer. Labbadia identifiziert sich hundertprozentig mit der Stadt und dem HSV, und hat in Wolfsburg ja einmal mehr bewiesen, was er kann. Es war ein Fehler, sich von ihm zu trennen.“

… Investor Klaus-Michael Kühne:

„Es reden öffentlich zu viele Leute mit, insbesondere Klaus-Michael Kühne. Wenn er den HSV so liebt, wie er es immer vorgibt, dann soll er bitte den Mund halten. Es gibt ein ungeschriebenes Gesetz im Profi-Fußball: Jeder Verein ist nur dann erfolgreich, wenn exakt drei Leute mitreden. Der Vorstandsvorsitzende oder Präsident, der Manager und der Trainer. Alle anderen sind ruhig. Wenn Herr Kühne sich ständig äußert, schadet er dem HSV.“

… das Image des HSV:

„Der Verein ist ein absoluter Magnet. Ich möchte glauben, dass das so bleibt. Aber dann gucke ich auf den 1. FC Kaiserslautern, der auch mal eine große Nummer im deutschen Fußball war und jetzt in der Bedeutungslosigkeit verschwunden ist… Aber im Moment ist der HSV noch eine große Nummer: Wenn 50.000 Fans zu einem Zweitliga-Spiel gehen, hat das etwas Magisches.“

… den angeblich so großen medialen Druck in Hamburg:

„Diesen Druck gibt es nicht. Was den HSV wirklich beschäftigt, ist, dass so viel rausdringt aus dem Verein. Da gibt es undichte Stellen und die macht die Club-Arbeit in Hamburg so schwer.“

… die Platzierung in der nächsten Saison:

„Der HSV wird glorreich Zweiter.“