Weltweit Entsetzen und Sorge

Anschlag auf die Stabilität Pakistans

Nach dem verheerenden Bombenanschlag auf das „Marriott“-Hotel in Islamabad mit mehr als 50 Toten wächst weltweit die Sorge vor einer möglichen Destabilisierung des Landes.

Islamabad. Ein Selbstmordattentäter hatte am Sonnabend seinen mit einer Tonne Sprengstoff beladenen Lieferwagen vor dem massiv gesicherten Luxushotel zur Explosion gebracht und damit ein Inferno ausgelöst. Nach offiziellen Angaben von Sonntag kamen 53 Menschen ums Leben. Unter den rund 260 Verletzten waren auch sieben Deutsche. Berichte über ein deutsches Todesopfer konnte das Auswärtige Amt in Berlin bis Sonntagnachmittag nicht bestätigen.

Der Anschlag auf eines der am besten gesicherten Gebäude der pakistanischen Hauptstadt kam nur knapp zwei Wochen nach dem Amtsantritt des umstrittenen neuen Präsidenten Asif Ali Zardari. Zardari hatte dem Terrorismus nur wenige Stunden zuvor in seiner ersten Rede vor dem Parlament den Kampf angesagt. Regierungen in aller Welt, darunter die Bundesregierung, sowie Vereinte Nationen, NATO und Europäische Union verurteilten den Anschlag scharf. Nach dem Blutbad drohte Zardari - Witwer der im Dezember ermordeten früheren Regierungschefin Benazir Bhutto - am Sonntag: "Terrorismus ist ein Krebsgeschwür in Pakistan. Und wir sind entschlossen, das Land von diesem Krebsgeschwür zu befreien."

Unter den Todesopfern des folgenschwersten Terroranschlags in der Geschichte der pakistanischen Hauptstadt sind mindestens zwei Ausländer, der neue tschechische Botschafter Ivo Zdarek sowie ein US-Amerikaner. Auch ein dänischer Botschaftsangehöriger wurde seit dem Anschlag auf das bei westlichen Ausländern wie auch wohlhabenden Pakistanern beliebten Hotel vermisst. Die meisten Opfer, insgesamt 39, seien jedoch Hotelangestellte, sagte der Chef des "Marriott"- Hotels, Sadruddin Hashwani, am Sonntag.

Der Attentäter hatte sich an einer Sicherheitsschleuse rund 30 Meter vor dem Eingang des Hotels in einem mit Sprengstoff beladenen Lieferwagen in die Luft gesprengt. Zu der Zeit befanden sich Hunderte von Menschen in dem Gebäude, viele Familien saßen im Restaurant beim abendlichen Fastenbrechen während des Ramadans.

Durch die Wucht der Detonation stürzten die Fassade des Hotels und die Decke im Speisesaal ein. Zerstörte Gasleitungen lösten ein Flammeninferno aus, das Feuer loderte die ganze Nacht. Die Bombe riss einen Krater von fast 30 Metern Durchmesser in die Straße vor dem Fünf-Sterne-Hotel, das in einer Hochsicherheitszone nur rund 500 Meter entfernt von der Residenz des Präsidenten und des Regierungschefs liegt. Nach dem Anschlag bot sich ein Bild des Grauens. Neben Rettungskräften halfen auch zahlreiche Freiwillige, blutüberströmte Opfer in Krankenhäuser zu bringen. Bis zum Sonntag hatte sich niemand zu dem Blutbad bekannt. Die pakistanische Regierung machte jedoch radikalislamische Extremisten für den Anschlag verantwortlich.

US-Präsident George W. Bush sagte Pakistan Unterstützung im Kampf gegen den Terrorismus und bei der Verfolgung der Hintermänner des Anschlags zu. Die französische EU-Ratspräsidentschaft äußerte sich entsetzt über das "schreckliche" Attentat und sagte zu, man wolle Pakistan beim Kampf gegen den Terror "mehr denn je zur Seite zu stehen". Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel erklärte, Deutschland werde "gemeinsam mit seinen Partnern Pakistan bei Bemühungen um Stabilität und Prosperität weiter unterstützen." Pakistans Nachbarn Indien und Afghanistan verurteilten den Anschlag ebenfalls.

Die Atommacht Pakistan gilt als enger Partner des Westens im Kampf gegen den Terrorismus. Beobachter sehen in der zunehmenden Zahl von Terroranschlägen eine Reaktion auf die pakistanische Militäroffensive gegen Extremisten im Grenzgebiet zu Afghanistan. Die halbautonomen Stammesgebiete gelten als Rückzugsgebiet von radikalislamischen Taliban und El-Kaida-Terroristen, die gegen die ausländischen Koalitionstruppen im benachbarten Afghanistan kämpfen.