Oktoberfest: Ude zapfte an

Ozapft is

Wiesn eröffnet. Beckstein feiert Anzapf-Premiere, seine Frau steht in der Dirndl-Kritik. Mehr als sechs Millionen Besucher werden erwartet.

München. Mit nur zwei Schlägen hat der Münchner Oberbürgermeister Christian Ude am Sonnabend um Punkt 12.00 Uhr das erste Fass angezapft und mit dem traditionellen Ruf "Ozapft is" das Oktoberfest eröffnet. Der Liter Festbier kostet in diesem Jahr zwischen 7,80 Euro und 8,30 Euro - 40 Cent mehr als der Höchstpreis im Vorjahr.

Bereits am frühen Morgen waren Hunderttausende Besucher - die meisten in Dirndl oder Lederhosen - trotz kühler Temperaturen auf die Theresienwiese geströmt, um einen der 100 000 Plätze in den 14 großen Festzelten zu ergattern. Noch vor dem Anstich wurden einige Bierhallen wegen Überfüllung geschlossen.

Bei der 175. Wiesn feierte Ministerpräsident Günther Beckstein seine Anzapf-Premiere. Vor 6000 Gästen überreichte Ude dem bayerischen Regierungschef im voll besetzten Schottenhamel-Zelt traditionsgemäß die erste Maß. Der Franke Beckstein war im hellen Trachtenanzug erschienen, seine Frau trug - wie angekündigt - kein Dirndl. Das hatte schon im Vorfeld der Wiesn für Aufregung und Kritik in Bayern gesorgt, da Edmund Stoiber und seine Frau immer in Tracht gekommen waren. Marga Beckstein erschien zum Anstich in einem schwarzen Rock und einem langen geblümten Blazer mit Trachtenknöpfen.

"Ich bin absolut sicher, dass meine Frau eine würdige Kleidung hat", nahm Günther Beckstein seine Gattin in Schutz. Diese stellte klar: "Ich beteilige mich an der Diskussion über meine Kleidung nicht." Unterstützung bekam die Ministerpräsidenten-Gattin von Wiesn-Chefin Gabriele Weishäupl, die in einem eleganten Dirndl erschienen war. "Das passt schon", urteilte Weishäupl über Marga Becksteins Kleiderwahl. "Dieses Volksfest ist ein Fest der Toleranz und Liberalität. Hier einen Kleidungszwang zu verhängen, ist nicht mein Ding."

Oberbürgermeister Ude zapfte zum 15. Mal an und erreichte dabei seinen Rekord von nur zwei Schlägen aus dem Jahr 2005. "Es hängt halt alles vom ersten Schlag ab", erklärte Ude. Mit Beckstein stieß er auf "eine friedliche Wiesn" an. Er gab dem nordbayerischen Ministerpräsidenten gleich noch eine Oktoberfest-Weisheit mit auf den Weg: "Wir trinken in Bayern a Bier und noch a Bier und noch a Bier und dann lass ma 's Auto stehen!"

Beckstein nahm die Anspielung auf seine Bierzelt-Rede mit Humor. Auch als Franke werde er von der Oktoberfeststimmung mitgerissen, sagte er und pries die Wiesn als "schönstes Volksfest der Welt". Auf der Ehrentribüne prostete Beckstein seinem SPD-Herausforderer Franz Maget zu. "Die nächste Stunde ist der Wahlkampf passe", kündigte der Ministerpräsident an.

Grünen-Fraktionschefin Renate Künast hielt sich nicht ganz daran. "Change is good" prangte in oranger Schrift auf ihrem Shirt. Einzig bei den Grünen hatte sich Prominenz aus der Bundespolitik eingefunden. Der stellvertretende Fraktionschef Jürgen Trittin verspeiste gut gelaunt neben der Parteivorsitzenden Claudia Roth sein Hendl.

Auch Moderator Florian Silbereisen, Sängerin Wencke Myhre und Schauspielerin Jutta Speidel hatten einen Platz im Anstich-Zelt gefunden. Das größte Volksfest der Welt dauert bis zum 5. Oktober. Insgesamt werden sechs Millionen Gäste aus aller Welt erwartet. Auch in diesem Jahr wollen die Münchner Brauereien wieder mehr als sechs Millionen Maß Bier, mehr als eine halbe Million Hendl und über 100 Ochsen an die Festbesucher bringen.