Betreutes Wohnen und trotzdem allein

Toter Rentner erst nach zehn Tagen gefunden

Es ist kaum zu glauben: Erst als eine Nachbarin den merkwürdigen Geruch in der betreuten Wohnanlage der katholischen Kirche bemerkte, öffnete der Hausmeister die Tür der Wohnung. Im Badezimmer machten sie dann die schlimme Entdeckung.

Die Polizei ermittelt derzeit, wie es dazu kommen konnte und sucht zudem nach Angehörigen des Verstorbenen Hans Josef H..

Die betreute Wohnanlage St. Vinzenz zählt 72 Wohnungen. Es gibt keine Pflegekräfte, keine Rezeption, keine Seelsorge. Lediglich eine Teilzeitkraft hat werktags von neun bis zehn Uhr Sprechstunde. Sie ist die einzige Mitarbeiterin in der Anlage und war zum Zeitpunkt des Todesfalls im Urlaub eine Vertretung gibt es nicht.

Die Kirche ist sich keiner Schuld bewusst. "Eine Urlaubsvertretung ist nicht im Betreuungsvertrag vorgesehen", sagte Manfred Nielen, Sprecher des Erzbistums Hamburg, der dem Abendblatt den Vorfall bestätigte. Gleichwohl zeigte er sich "betroffen, dass so etwas in einer Anlage der Kirche passieren konnte".

Die Hamburger Sozialbehörde kündigte unterdessen Konsequenzen an. "Wir werden dem Fall genau nachgehen", so Sprecherin Jasmin Eisenhut. "Es darf nicht sein, dass in einer betreuten Wohnanlage so eine Anonymität herrscht, dass das Fehlen eines Menschen zehn Tage nicht auffällt das widerspricht dem Grundgedanken von Betreutem Wohnen." Rein rechtlich kann der Katholischen Kirche aber nichts vorgeworfen werden: Es gibt keinerlei verbindliche Vorschriften oder Mindeststandards für "betreutes Wohnen".

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