Bankdaten: Skandal um illegale Verbreitung weitet sich aus

Neue CD mit privaten Daten in Kiel aufgetaucht

Die Scheibe soll 130 000 illegale Datensätze enthalten, wie das Unabhängige Landeszentrum für Datenschutz Schleswig-Holstein mitteilte. Rund 70 000 Datensätze enthielten Kontoangaben, die von Lotterieveranstaltern stammten.

Kiel. "Die CD wurde uns illegal per Post zugespielt", sagte der schleswig-holsteinische Datenschutzbeauftragte Thilo Weichert der Deutschen Presse-Agentur dpa.

Die Daten stammten von einer Firma in Neuss (Nordrhein- Westfalen), die die Information vermutlich gezielt gesammelt hatte, um sie an Call-Center weiterzuvertreiben. Das Ausmaß des illegalen Datenhandels habe eine Dimension, "die sich rechtschaffene Menschen bisher nicht vorstellen konnten". Der Bundesverband der Verbraucherzentralen ist nach einem Schein-Kauf inzwischen im Besitz von sechs Millionen illegalen Datensätzen.

Öffentlich wurde der Skandals in der vergangenen Woche, nachdem der Kieler Verbraucherzentrale eine CD mit 17 000 Daten zugespielt worden war. Vier Tage später war eine weitere Disc mit etwa einer Million Daten entdeckt worden. Diese ebenfalls für Call-Center bestimmten Informationen enthielten teils Angaben zur Kontoverbindung, aber auch E-Mail-Adressen und weitere Verbraucherdaten.

"Einzelne selektierte Datenbestände beziehen sich gezielt auf ältere Menschen", hieß es. Aus einigen Daten lasse sich schließen, dass diese auf Geschäfte mit der Firma Lotto Team in Köln zurückgehen.

Zu den am Montag aufgetauchten Daten konnten noch keine näheren Angaben gemacht werden. "Wir werden die Daten auswerten, die Staatsanwaltschaft informieren und Strafanzeige erstatten", sagte Weichert. In der Call-Center-Branche sollen die Datensätze dazu missbraucht worden sein, Vertragsabschlüsse vorzutäuschen und bei den Opfern Geld abzubuchen. Weichert rät den Verbrauchern, ihre Kontoauszüge zu kontrollieren und im Falle unzulässiger Abgänge das Konto zu sperren.

Unterdessen erklärte der Bundesverband der Verbraucherzentralen am Montag in Berlin, im Besitz von nunmehr sechs Millionen illegale Datensätzen zu sein, davon vier Millionen mit Kontonummern. Der Vorstand des Bundesverbandes, Gerd Billen, präsentierte die auf einer DVD und zwei CDs gesammelten Daten, die jetzt der Staatsanwaltschaft übergeben werden sollen. Mit dem Scheingeschäft wollten die Verbraucherschützer herausfinden, wie schnell man an illegale Daten kommen kann. Viele der jetzt zum Schein erworbenen Daten stammten laut Billen wiederum von der Süddeutschen Klassenlotterie (SKL).