Entführung in Kabul glimpflich beendet

Deutsch-Afghane aus Händen von drei Kriminellen befreit

| Lesedauer: 2 Minuten

Der vor knapp zwei Wochen in Kabul entführte deutsch-afghanische Geschäftsmann befindet sich wieder auf freiem Fuß. Ihm geht es den Umständen entsprechend gut. Ein politischer Hintergrund der Entführung mit einem Bezug zu Deutschland wird ausgeschlossen.

Kabul. Nach knapp zwei Wochen Geiselhaft haben afghanische Sicherheitskräfte einen in Kabul verschleppten Deutsch- Afghanen aus der Gewalt einer kriminellen Bande befreit. Der Sprecher des Auswärtigen Amtes (AA), Jens Plötner, teilte in Berlin mit: "Mit Erleichterung können wir bestätigen, dass der in Afghanistan entführte deutsch-afghanische Staatsangehörige seit heute morgen wieder in Freiheit ist." Dem Mann gehe es den Umständen entsprechend gut.

Der Sprecher des afghanischen Geheimdienstes NDS, Sayed Ansari, sagte in Kabul, der Mann sei am frühen Morgen gegen 4 Uhr im Distrikt Bagram nördlich von Kabul befreit worden. Drei junge Kriminelle seien festgenommen worden. Nach Angaben des NDS sind zwei der festgenommenen Geiselnehmer unter 20 Jahren, einer ist etwa 25 Jahre alt.

Der Verschleppte Hadschi Asisullah, der in Kabul einen Hochzeitssaal betreibt, sagte im NDS- Hauptquartier, die Geiselnehmer hätten drei Millionen Dollar (knapp zwei Millionen Euro) Lösegeld verlangt. "Sie warnten mich, dass sie meine Hand und mein Ohr abschneiden würden, wenn nicht bezahlt würde." Bei der Pressekonferenz zeigte Asisullah die von den Kidnappern verwendeten Ketten an Händen und Füßen.

Außenamts-Sprecher Plötner erklärte, der Deutsch-Afghane befinde sich in der Obhut der afghanischen Behörden und habe erste Kontakte zu deutschen Botschaftsvertretern gehabt. Sicherheitskreise in Kabul hatten gestern mitgeteilt, der Geschäftsmann sei seit rund einem halben Jahr wieder in Afghanistan und vor etwa zwei Wochen abends nach der Arbeit entführt worden. Ein politisches Motiv mit einem Bezug zu Deutschland wurde ausgeschlossen. Offensichtlich handele es sich um einen Fall mit kriminellem Hintergrund und "um einen typischen Fall der hiesigen Entführungsindustrie."

Entführungen mit kriminellem Hintergrund haben landesweit, aber auch in der schwer gesicherten Hauptstadt Kabul, deutlich zugenommen. Am 16. Dezember 2007 war der Deutsche Harald Kleber in der Provinz Herat im Westen des Landes entführt worden. Sein Schicksal ist weiter ungewiss. Zwei Monate zuvor war der deutsche Bauingenieur Rudolf Blechschmidt nach fast dreimonatiger Geiselhaft frei gelassen worden. Die Taliban hatten vergeblich den Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan und die Freilassung islamistischer Kämpfer gefordert. Blechschmidts Kollegen Rüdiger D. hatten die Geiselnehmer nach einem Kreislaufkollaps erschossen. Alle anderen Entführungsopfer kamen nach teils kurzer Zeit wieder frei.

( dpa/abendblatt.de )