Serbien: Nach einem Jahrzehnt auf der Flucht

Mutmaßlicher Kriegsverbrecher Ratko Mladic vor Verhaftung

Laut einem Zeitungsbericht soll der frühere Militärchef der bosnischen Serben, Ratko Mladic, bis August dingfest gemacht werden. Der zivile und der militärische Geheimdienst wüssten wo sich Mladic aufhält. Mladic soll unter anderem für das Massaker von Srebrenica verantwortlich sein, bei dem Tausende Muslime starben.

Belgrad. Die Verhaftung des seit über einem Jahrzehnt flüchtigen mutmaßlichen serbischen Kriegsverbrechers Ratko Mladic steht nach einem Zeitungsbericht unmittelbar bevor. Der frühere Militärchef der bosnischen Serben werde "bis Ende August" verhaftet und an das UN-Tribunal in Den Haag ausgeliefert, berichtete die Zeitung "Blic" in Belgrad unter Berufung auf "Quellen in der Regierungsspitze". Damit wolle die Regierung endlich den Weg frei machen für eine schnelle Annäherung an die EU.

Die Regierung wolle die Sommerferien ausnutzen, um Mladic dingfest zu machen, schrieb das Blatt. Die nationalistische Opposition habe wegen der Parlamentspause und der Ferien deutlich weniger Chancen, "Demonstrationen und Straßenunruhen" zu organisieren. Die Verhaftung von Mladic, dem schwerste Verbrechen im Bürgerkrieg (1992-1995) zur Last gelegt werden, dürfte der Chefankläger des UN-Tribunals, Serge Brammertz, als "vollständige Kooperation" Belgrads mit dem Tribunal werten. Das sei die Voraussetzung, dass die EU-Außenminister am 15. September grünes Licht für das schon verabredete vorläufige Wirtschaftsabkommen mit Brüssel geben.

Der zivile und der militärische Geheimdienst (BIA und VBA) wüssten sicher, wo sich Mladic versteckt halte, sagte der frühere General Ninoslav Krstic der Zeitung "Press": "Ich glaube, dass sie ihn bald verhaften." Die Aufforderung von zwei serbischen Ministern am Vortag, Mladic solle sich freiwillig stellen, sei vermutlich als Vorbereitung der Öffentlichkeit auf einen solchen Schritt zu verstehen, sagte der frühere General weiter.

Demgegenüber behauptete der Mladic-Neffe Goran, sein Onkel werde sich niemals stellen. "Ich weiß, wie er denkt und bin sicher, dass er sich umbringen wird, bevor er verhaftet wird", sagte er der Zeitung.

( dpa )