Buckelwal vor Rügen

Er muss in den Atlantik zurückfinden

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Der vor Rügens Küste gesichtete Buckelwal muss nach den Worten der Meeresbiologin Petra Deimer aus der Ostsee herausfinden, um zu überleben.

Das Nahrungsangebot in dem Binnenmeer sei gering und werde, wie die Wasserqualität, nach Osten hin immer schlechter, sagte die Wissenschaftlerin von der Gesellschaft zum Schutz der Meeressäugetiere (GSM) am Mittwoch. Zudem könne die Ostsee im Winter zufrieren. "Er darf auf keinen Fall in der Ostsee bleiben", betonte Deimer.

Der Meeresbiologin zufolge hat der mit zwölf Metern junge Wal aber Chancen, wieder in den Atlantik zurückzufinden. "Wale sind intelligente und unternehmungslustige Tiere", sagte sie. So sei auch der 2006 vor der polnischen Küste beobachtete Buckelwal nie tot gefunden worden. "Deshalb denke ich, das kann gutgehen", sagte Deimer. Mögliche Rettungsversuche dürften unterdessen erfolglos bleiben, äußerte der Walexperte der Umweltstiftung WWF, Volker Homes. "Einem Wal beizubringen, aus der Ostsee rauszuschwimmen ist so gut wie unmöglich." Eigentlich müsste der Wal längst in seinem Sommerquartier im atlantischen Teil der Arktis sein.

Laut Deimer ist das Tier vermutlich auf der Futtersuche im Kattegat in die Ostsee geraten, wo es sicherlich kleine Dorsche und Heringe gefunden habe. "Wale sind nicht wählerisch", erläuterte Deimer. Sie seien aber sehr neugierig, vor allem, solange sie nicht die Fortpflanzung beschäftige.

Die Rückkehr des Buckelwals zu seinesgleichen hängt nach den Worten der Meeresbiologin aber auch von Einflüssen wie dem Schiffsverkehr auf der Ostsee, unterseeischen Sprengungen und Bohrungen ab. "Die Menschen machen einen Höllenlärm unter Wasser", sagte sie. Das störe den Orientierungssinn des Tieres. Homes ergänzte, die Ostsee gelte als eine der meist genutzten Schifffahrtsrouten weltweit. Er hoffe in diesem Bereich auf technische Innovationen. So seien auch Flugzeuge heute leiser als noch vor Jahrzehnten.

Seit der Sichtung des Buckelwals am vergangenen Freitag vor Kap Arkona auf Rügen ist keine weitere Beobachtung des Tieres bekanntgeworden. Der Biologe und Fotograf Mathias Putze berichtete, seine Ornithologen-Kollegen hätten den Wal etwa drei Kilometer vor der Küste entdeckt. Sie hätten ihn als Fotografen alarmiert.

"Die Fotos entstanden aus fünf bis sechs Kilometern Entfernung", sagte Putze. "Andreas Nick und Christoph Bock war sofort klar, dass es ein Buckelwal war, sie haben praktisch einen alten Bekannten aus den USA wiederentdeckt", sagte er. Der Wal sei mehrfach gesprungen. "Er war mindestens 25 Mal aus dem Wasser raus. Er sah sehr mobil aus." Nach Putzes Einschätzung ist er an Rügen nur "vorbeigekommen" und dann aufs offene Meer hinausgeschwommen.

( dpa )