Streik bei der Lufthansa: Jetzt ebenfalls Stuttgart betroffen

Auch Langstreckenflüge fallen aus

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Streik dritter Tag: Erstmals muss die Fluglinie auch Interkontinentalverbindungen stornieren. Insgesamt acht Flüge sollen heute ausfallen. Am Flughafen Hamburg werden voraussichtlich fünf innerdeutsche Flüge nicht stattfinden können.

Hamburg. Durch den unbefristeten Streik bei der Lufthansa fallen am dritten Tag des Ausstandes nun auch Langstreckenflüge aus. Wie das Unternehmen in Frankfurt mitteilte, werden heute acht Interkontinentalverbindungen gestrichen. Zusätzlich fallen wie schon am Dienstag rund 70 Kurzstreckenflüge aus, weil weiterhin neun Maschinen nicht gewartet werden können und am Boden bleiben müssen. Inzwischen hat die Gewerkschaft Ver.di den Streik auch auf den Stuttgarter Flughafen ausgedehnt. Fast alle Mitarbeiter der Nachtschicht hätten sich an dem Ausstand beteiligt, sagte ein Ver.di Sprecher.

Laut Ver.di werden die Auswirkungen von Tag zu Tag zunehmen. An den Streiks beteiligten sich an den ersten beiden Tagen jeweils rund 5000 Mitarbeiter, vor allem bei der Lufthansa Technik und im Catering, wie Ver.di mitteilte. Während Ver.di für rund 50 000 Lufthansa-Beschäftigte am Boden und in der Kabine 9,8 Prozent mehr Geld fordert, hat das Unternehmen zuletzt gestaffelt 6,7 Prozent mehr Lohn bei 21 Monaten Laufzeit und eine Einmalzahlung angeboten.

Am stärksten betroffen sind Reisende in Frankfurt. Ein Großteil der insgesamt 78 Ausfälle stünden mit dem Frankfurter Flughafen in Verbindung, teilte die Lufthansa mit. Betroffen sind im Langstreckenbereich Flüge von Frankfurt nach New York, Calgary in Kanada und Kalkutta in Indien sowie die jeweiligen Rückflüge. Da aber alle Ziele mehrmals täglich angeflogen werden, gebe es keinen Zielort, der heute nicht erreicht würde, hieß es weiter. Die 78 Flugstreichungen entsprechen laut Lufthansa gut vier Prozent des geplanten Flugangebots.

Am Flughafen Hamburg werden wegen des Streiks bei der Lufthansa heute voraussichtlich fünf Flüge ausfallen. Das teilte ein Sprecher der Flugplan-Auskunft des Airports am Morgen mit. Betroffen seien ausschließlich innerdeutsche Verbindungen der Fluggesellschaft. Am Vortag musste die Lufthansa streikbedingt sieben Flüge von Hamburg nach München und Frankfurt am Main absagen.

Wegen des Streiks hat die Lufthansa nach einem Bericht der "Bild"- Zeitung die Wartung ihrer Flugzeugflotte zu Teilen ins Ausland verlegt. Der Flugplan werde in vielen Fällen so abgestimmt, dass zur Wartung anstehende Lufthansa-Maschinen bestimmte Flugrouten ins Ausland übernähmen, um anschließend vor Ort gewartet zu werden.

Am Dienstagabend hatte die größte deutsche Fluggesellschaft erste Eckdaten ihrer Halbjahreszahlen vorgestellt. Demnach stieg der operative Gewinn in den ersten sechs Monaten trotz des massiv gestiegenen Ölpreises um etwa 45 Prozent auf 705 Millionen Euro. Der Umsatz legte um fast 20 Prozent auf 12,1 Milliarden Euro zu. Grund für die Zuwächse war auch die Konsolidierung der Tochter Swiss. Der Gewinn sank bedingt durch hohe Sondereffekte im Vorjahreszeitraum um mehr als die Hälfte von 992 auf 402 Millionen Euro. Damit steht die Lufthansa im schwierigen Marktumfeld weiter gut da: Zahlreiche andere Fluggesellschaften stecken derzeit in der Krise und streichen Stellen sowie Strecken.

( dpa )