Atomprogramm: USA unterbreiten Iran neues Angebot

Ahmadinedschad lobt "neues Verhalten" der Bush-Regierung

In einem Interview mit dem US-Fernsehsender NBC hat der iranische Staatschef Mahmud Ahmadinedschad das "neue Verhalten" der US-Regierung befürwortet. Damit reagierte er auf den Politikwechsel der Amerikaner, die erstmals einen Vertreter zu den Gesprächen über das iranische Atomprogramm nach Genf entsandt hatten.

Washington. Im Konflikt um das iranische Atomprogramm sehe Ahmadinedschad jetzt Chancen auf eine "gemeinsame Basis" mit dem Westen. "Man hat uns ein Angebot gemacht, also machen wir ein Gegenangebot", sagte er ohne konkrete Details zu verraten. Bis Sonnabend hat Irans Machthaber noch Zeit, auf den jüngsten Verhandlungsvorschlag der USA zu antworten, welchen der US-Abgesandte William Burns dem Iraner Said Dschalili bei der Geprächsrunde unter Federführung der EU in Genf unterbreitet hatte. Das so genannte "Freeze-for-Freeze"-Angebot besagt, dass Iran keine neuen Zentrifugen in seinen Atomanlagen in Betrieb nehmen darf und nach einer sechswöchigen Testphase die Anreicherung von Uran vollständig einstellt. Im Gegenzug würde der Westen zunächst keine weiteren Wirtschaftssanktionen verhängen, sondern später sogar wirtschaftliche Zugeständnisse machen.

Die US-Regierung hat derweil vorsichtig auf die Äußerungen Ahmadinedschads reagiert. Die Sprecherin des Weißen Hauses, Dana Perino, sagte, das von Ahmadinedschad geäußerte Interesse an besseren Beziehungen zu Washington müsse mit einer "gesunden Dosis Skepsis" gesehen werden. Noch am vergangenen Sonnabend habe Ahmadinedschad an der Urananreicherung festgehalten, in seinem Interview am Montag dann etwas anderes gesagt.

Sollte es tatsächlich zu einem positiven Abschluss der Initiative kommen, dürfte sich in erster Linie US-Außenministerin Condoleezza Rice mit dem Erfolg schmücken. Sie hatte den diplomatischen Ansatz in der Nahostpolitik unter dem Motto "Kommunikation statt Konfrontation" ("Make deals, not war") maßgeblich vorangetrieben. Die akute Gefahr eines Kriegs um Irans Nuklearprogramm scheint zurzeit gebannt.

Wie Spiegel Online berichtet spielt in den Augen vieler Bush-Kritiker taktisches Kalkül für den politischen Kurswechsel die vorrangige Rolle. Ein bewaffneter Konflikt hätte die Weltwirtschaft noch tiefer in die Krise gerissen und sich in empfindlicher Weise auf die Öl- und Benzinpreise ausgewirkt. Diese stellen derzeit eines der großen Wahlkampfthemen dar. Andere Verlautbarungen besagen, die Bush-Regierung spekuliere explizit auf eine Absage Ahmadinedschads an das US-Angebot, was weitere Sanktionen nach sich zöge. Der Westen hätte damit ein Szenario geschaffen, der einen Beschuss der iranischen Nuklearanlagen rechtfertigen könnte.