Flughafen Hamburg: Keine Flugausfälle oder Verspätungen

Chaos bisher ausgeblieben

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Die Gewerkschaft Ver.di hatte angekündigt alle Geschäftsbereiche der Lufthansa bestreiken zu wollen, man fürchtete den größten Streik seit 13 Jahren. Bisher verlief jedoch alles glimpflicher als erwartet.

Hamburg/Berlin. Trotz des Streiks bei der Lufthansa sind Störungen im Flugverkehr am Flughafen Hamburg zunächst ausgeblieben. Es habe in der Hansestadt bislang keine streikbedingten Flugausfälle oder Verspätungen gegeben, sagte Lufthansa-Sprecher Wolfgang Weber am Vormittag in Berlin. "Noch läuft alles. Wir hoffen, dass es so bleibt." Der von dem Unternehmen entwickelte Notfallplan funktioniere. Auch der Flughafen Hamburg meldete keine Probleme bei der Flug- oder Passagierabwicklung. Es herrsche "ganz normaler Betrieb" an den Terminals, sagte Sprecher Matthias Quaritsch.

Die Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di rechnete nicht damit, dass ihre Arbeitsniederlegungen bei der Lufthansa schon am ersten Streiktag zu Problemen im Flugverkehr von und nach Hamburg führen. "Die Auswirkungen werden sich vermutlich erst Ende der Woche zeigen, Donnerstag oder Freitag", sagte Hauke Brockmann von der Hamburger Ver.di-Streikleitung.

Ver.di hat das Kabinen- und Bodenpersonal der Lufthansa bundesweit aufgerufen, die Arbeit mit Dienstbeginn in der Nacht zum Montag für unbefristete Zeit ruhen zu lassen. Hamburg war neben dem Flughafen in Frankfurt am Main ein Schwerpunkt des ersten Tags des Ver.di-Streiks. Nach Angaben von Gewerkschaftssprecherin Sabine Bauer beteiligten sich in der Hansestadt rund 1500 Beschäftigte an dem Ausstand.

Insgesamt beschäftigt die Lufthansa am Flughafen der Hansestadt nach eigenen Angaben mehr als 8000 Mitarbeiter, rund 7500 davon arbeiten im technischen Bereich bei der Flugzeug-Wartung und der Ersatzteil-Produktion. Bauer bezeichnete die Resonanz auf den Streikaufruf der Gewerkschaft insgesamt als zufriedenstellend. "Es ist der erste Tag, dafür war es in Ordnung", sagte sie.

Die Streiks in Hamburg konzentrierten sich nach Angaben von Ver.di-Streikleitungsmitglied Brockmann auf den technischen Bereich. Dies sei auch der Grund, warum der Streik zunächst keine direkten Auswirkungen auf den Flugbetrieb habe, sagte er. Es dauere eine Zeit, bis sich ein Arbeitsausfälle bei der Instandsetzung und der Bereitstellung von Flugzeugteilen bemerkbar mache. Brockmann ergänzte: "Dieser Streik ist nicht darauf ausgerichtet, den Flugverkehr lahmzulegen. Er soll wirtschaftlichen Schaden verursachen."

In dem Tarifkonflikt bei der Lufthansa verlangt Ver.di höhere Gehälter für rund 50 000 Lufthansa-Beschäftigen am Boden und in der Kabine. Die Gewerkschaft fordert 9,8 Prozent mehr Geld bei einer Laufzeit von einem Jahr. Lufthansa hatte zuletzt gestaffelt 6,7 Prozent mehr Geld bei 21 Monaten Laufzeit und eine Einmalzahlung angeboten.

Vor den Toren der Lufthansa-Basis in Hamburg versammelten sich am Morgen einige hundert streikende Ver.di-Mitglieder. Viele trugen Gewerkschafts-T-Shirts mit Aufschriften wie "Wir sind mehr wert" oder "Gute Arbeit, gute Leute, gutes Geld" und machten mit Trillerpfeifen ihrem Unmut über Mitarbeiter Luft, die trotz der Streikaufforderung zur Arbeit gingen. Ver.di-Verhandlungsführer Erhard Ott forderte die Unternehmensleitung in einer Rede auf, "zur Vernunft zurückzukehren" und die Gehalts-Forderung der Gewerkschaft zu akzeptieren.

Für die kommenden Tage kündigte Ott weitere Arbeitsniederlegungen auch an weiteren Standorten an. Ver.di werde die Streikmaßnahmen "flexibel" organisieren, sagte er. Ziel sei allerdings nicht, für ein Chaos im Flugverkehr zu sorgen: "Es kommt darauf an, das Unternehmen zu treffen, nicht die Fluggäste."

Die meisten Flugreisenden in Hamburg nahmen den Streik am Montag gelassen. Die Stimmung an den nur mäßig frequentierten Check-In- Schaltern der Lufthansa blieb entspannt. "Da braucht man sich vorher auch nicht künstlich aufzuregen", meinte der Geschäftsreisende Ingo Greb (43) aus Hamburg, der auf dem Weg nach London war. Mit Blick auf die zunächst ausbleibenden Auswirkungen des Streiks ergänzte er: "Es läuft ja." Lediglich einige Geschäftsreisende waren nach eigenen Angaben früher gekommen, um notfalls auf andere Flieger oder Mietwagen umsteigen zu können.

( dpa )