Frankreich: Pannenserie in Atomanlagen reißt nicht ab

Reaktorleck: 100 Mitarbeiter verstrahlt

Nach einem Leck im Kraftwerk Tricastin in Südfrankreich wurden 100 Beschäftigte „leicht kontaminiert“. Es war bereits der vierte Zwischenfall in einer französischen Atomanlage in den letzten Wochen.

Paris. Die Pannenserie in französischen Atomanlagen reißt nicht ab: Nach einem Leck in einem Reaktor der Atomanlage Tricastin in Südfrankreich wurden 100 Beschäftigte "leicht kontaminiert", wie der Stromkonzern EDF am Mittwochabend mitteilte. Es war bereits der vierte Zwischenfall in einer französischen Atomanlage in den letzten Wochen.

Bei dem neuerlichen Leck in Tricastin seien die Betroffenen radioaktiven Partikeln ausgesetzt gewesen, die aus einer Leitung eines abgeschalteten Reaktors entwichen seien, sagte EDF-Sprecherin Caroline Muller. Die Strahlenbelastung der Betroffenen sei weit unterhalb der zulässigen Werte gewesen; die Dosis sei kleiner als ein Vierzigstel des Grenzwertes gewesen. "Was uns Sorge macht ist weniger das Ausmaß der Verstrahlung als vielmehr die Zahl der kontaminierten Menschen", sagte Muller. Experten hätten Ermittlungen aufgenommen.

Erst vor zwei Wochen waren in Tricastin 74 Kilogramm Uran ausgetreten und in zwei Flüsse gelangt. Ende voriger Woche wurden in einer Atomanlage im Südosten Frankreichs 15 Arbeiter bei einer Inspektion verstrahlt. EDF hatte den Vorfall erst am Montag öffentlich gemacht. Am vergangenen Donnerstag wurde zudem ein undichtes Kanalisationsrohr in einer Brennstäbefabrik in Romans-sur-Isere entdeckt, aus dem zwischen 120 und 750 Gramm Uran ausgelaufen waren. Die Pannen haben zu scharfen Protesten von Atomgegnern geführt.