Urteil: Söhne hielten Vater für tot

"Kanu-Mann" für sechs Jahre hinter Gitter

Jahrelang hatte sich der Brite John Darwin versteckt und seinen Tod vorgetäuscht um die Lebensversicherung zu kassieren. Seine Frau und Komplizin muss noch länger ins Gefängnis.

London. Der lange totgeglaubte britische "Kanu-Mann" und seine Ehefrau sind am Mittwoch wegen Betrugs und Geldwäsche zu hohen Gefängnisstrafen verurteilt worden. John Darwin (57) muss für sechs Jahre und drei Monate hinter Gitter, seine Frau Anne sogar für sechs Jahre und sechs Monate. Das entschied das Strafgericht des nordostenglischen Bezirkes Teesside.

Abgesehen vom Betrug der Versicherungen in der relativ geringen Höhe von insgesamt 250 000 Pfund (315 000 Euro) seien "die am meisten betrogenen die beiden Söhne" des Paares, sagte der Richter. Ihnen sei auf erschreckende Weise der Tod des Vaters vorgegaukelt worden. Auch weil die Darwins "das Leben ihrer Kinder schwer beeinträchtigten, haben sie ein so hohes Strafmaß verdient", sagte er.

Die Eheleute, die bei der Urteilsverkündung erstmals nach monatelanger Trennung durch die Untersuchungshaft wieder nebeneinanderstanden, vermieden es, sich anzusehen. Die Söhne Mark und Anthony Darwin (32 und 29) verließen das Gericht mit ernsten Gesichtern, wollten aber keinen Kommentar abgeben. Bei der Urteilsverkündung standen sie so, dass es keinen direkten Sichtkontakt zu den Eltern gab.

Während des Prozesses hatten die Söhne ausgesagt, dass sie in dem Glauben gelassen wurden, ihr Vater sei tot. John Darwin hatte sich im Dezember 2007 bei der Polizei gemeldet und zunächst versucht mit der Erklärung durchzukommen, er habe das Gedächtnis verloren. Später bekannte er sich schuldig. Als Motiv für seine Rückkehr nannte er auch Sehnsucht nach den Söhnen.

In seinem separaten Prozess hatte Darwin zugegeben, dass er im März 2002 seinen Tod durch einen Kanu-Unfall vorgetäuscht und sich jahrelang versteckt hatte, um seine Lebensversicherung zu kassieren. Anne Darwin hatte jede direkte Verantwortung bestritten und darauf bestanden, dass ihr Mann sie zu dem Betrug gezwungen habe. Das wies die Geschworenen-Jury zurück und erklärte die Frau für schuldig. Zudem sei sie auch der Geldwäsche durch den geheimen Transfer der Versicherungssumme ins Ausland überführt worden