Nach 15 Monaten

Ermittlungen im Fall Madeleine eingestellt

Der Fall wird zu den Akten gelegt, weil es keine Beweise für ein Verbrechen gibt, so die Generalstaatsanwaltschaft in Lissabon.

Lissabon/London. Gut 15 Monate nach dem spurlosen Verschwinden der kleinen Madeleine aus einer Ferienanlage in Südportugal sind die Ermittlungen ergebnislos eingestellt worden. Der Fall werde zu den Akten gelegt, weil es keine Beweise für ein Verbrechen gebe, teilte die Generalstaatsanwaltschaft am Montagabend in Lissabon mit. Die Eltern des damals fast vierjährigen britischen Mädchens werden demnach auch nicht länger verdächtigt, in das Verschwinden ihrer Tochter verwickelt gewesen zu sein. Auch die Vorwürfe gegen den dritten Verdächtigen, einen nahe der Ferienanlage lebenden britischen Makler, wurden fallengelassen.

Falls neue schlüssige Indizien auftauchen sollten, könne das Ermittlungsverfahren jederzeit wieder aufgenommen werden, betonte Generalstaatsanwalt Fernando Pinto Monteiro. Dies könne auf Antrag der Anklagebehörde oder auch eines Betroffenen geschehen. Zudem solle die Geheimhaltung der Ermittlungsakten aufgehoben werden. Davon erhoffen sich Madeleines Eltern Fortschritte bei der privaten Suche nach ihrer Tochter.

Die Eltern, die eine beispiellose weltweite Medienkampagne zur Aufklärung des Falles gestartet hatten, reagierten mit großer Erleichterung auf ihre Entlastung. Ungeachtet der ergebnislosen Beendigung des Verfahrens komme es jetzt darauf an, weiter alle Kraft auf die Suche nach ihrer Tochter zu konzentrieren, erklärten Kate und Gerry McCann über ihren Sprecher. "Die einzige Sache, um die sich Sorgen machen, ist die Suche nach Madeleine", sagte Familiensprecher Clarence Mitchell. Allerdings habe die seit September 2007 andauernde Einstufung der McCanns als Verdächtige "ihrem guten Ruf geschadet, und sie müssen nun zunächst einschätzen, wie sie jetzt genau weitermachen". In jedem Fall hofften die Eltern, dass die portugiesischen Behörden ihre private Suche nach Madeleine durch gute Kooperation unterstützen.

Maddie war am 3. Mai 2007 verschwunden, als sie mit ihren zwei jüngeren Geschwistern in einer Ferienwohnung an der Algarve-Küste schlief. Ihre Eltern hatten sie alleine zurückgelassen und waren mit Freunden in ein nahe gelegenes Restaurant zum Abendessen gegangen. Die Ermittler waren zunächst von einer Entführung ausgegangen. Später neigten sie zu der Annahme, dass das Mädchen am Tag ihres Verschwindens möglicherweise durch einen Unfall in der Wohnung zu Tode kam und die Eltern die Leiche versteckten. Doch auch die Untersuchung von DNA-Spuren in dem Appartement und in einem Leihwagen der McCanns erbrachte keine schlüssigen Resultate. Die Eltern hatten stets ihre Unschuld betont. Sie gehen von einer Entführung aus.

Mit der Einstellung des Verfahrens folgte der Generalstaatsanwalt der Beurteilung der Ermittler. Diese hatten vor drei Wochen in ihrem Abschlussbericht eingeräumt, keinen Schuldigen gefunden zu haben, den sie für das Verschwinden von Madeleine verantwortlich machen könnten. Die Ermittlungen in dem Fall gehörten zu den umfangreichsten der portugiesischen Kriminalgeschichte. Der Abschlussbericht besteht aus 19 Ordnern mit rund 11 000 Dokumenten. Rund 700 Zeugen wurden befragt, es gab fast 450 Hausdurchsuchungen.

Für Empörung sorgte derweil ein Buch des ehemaligen Chefermittlers in dem Fall. Der inzwischen entlassene Kommissar Gonçalo Amaral bekräftigt darin die Vorwürfe gegen die Eltern Maddies. Er wolle damit dazu beitragen, "die Wahrheit zu finden", sagte Amaral am Montag im BBC-Fernsehen. In "A Verdade da Mentira" (Die Wahrheit der Lüge) vertritt er erneut die These, dass Madeleine in der Ferienwohnung in Südportugal zu Tode kam, die Eltern die Leiche verschwinden ließen und dann eine Entführung vortäuschten. Er gehe immer noch davon aus, dass das britische Mädchen tot sei.