Nach zwölf Tagen Geiselhaft:

Freigelassene Bergsteiger wieder in Deutschland

Die Bergsteiger waren am 8. Juli von bewaffneten Rebellen der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK auf dem Berg Ararat verschleppt worden.

München. Nach zwölf Tagen in der Hand von PKK-Rebellen sind die drei Bergsteiger aus Bayern wieder wohlbehalten zurück in Deutschland. Die am Sonntag von ihren Kidnappern in der Türkei freigelassenen Männer trafen nach Angaben von Sicherheitskreisen am frühen Montagabend mit einer Lufthansa-Maschine aus Ankara am Münchner Flughafen ein. Das Auswärtige Amt in Berlin dankte den türkischen Behörden für die vertrauensvolle Zusammenarbeit. Die türkischen Stellen hätten einen wichtigen Anteil am guten Ende der Geiselnahme, sagte der Sprecher des Auswärtigen Amtes, Jens Plötner.

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) empfing die 33, 48 und 65 Jahre alten Männer am Flughafen. Dort warteten auch Angehörige auf sie.

Die Bergsteiger waren am 8. Juli von bewaffneten Rebellen der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK auf dem Berg Ararat verschleppt worden. Nach Angaben des Auswärtigen Amtes verbrachten die Männer die Nacht nach ihrer Freilassung in einem Gästehaus der türkischen Regierung in Agri, wo sie von der deutschen Botschaft betreut wurden. Der Provinzgouverneur von Agri, Mehmet Cetin, ließ die Bergsteiger per Bus zum nächstgelegenen Flughafen in der Stadt Erzurum bringen, von wo aus sie nach Ankara flogen. Am Flughafen in Ankara wurden sie vom deutschen Botschafter Eckart Cuntz begrüßt.

Fünf bewaffnete PKK-Angehörige hatten die Bergsteiger aus einem Camp am Berg Ararat auf 3200 Metern Höhe verschleppt. Die insgesamt 13 Männer und Frauen der Gruppe wurden in der Nacht vor der Gipfelbesteigung des 5165 Meter hohen Berges überfallen. Nach Angaben der türkischen Zeitung "Sabah" mussten die drei Bayern mit ihren Entführern ständig das Versteck wechseln. Die PKK-Kämpfer hätten ihre Geiseln - aus Angst, von Sicherheitskräften entdeckt zu werden - gezwungen, mit ihnen immer wieder durch das Gebirge zu marschieren. Freigelassen worden seien sie am Sonntag schließlich auf einer Höhe von 2200 Metern, inmitten von Felsen.

Die PKK hatte als Gegenleistung für eine Freilassung gefordert, dass Berlin seine "feindliche Politik" gegenüber der Bewegung und dem kurdischen Volk beenden müsse. Die Bundesregierung hatte erklärt, sie lasse sich nicht erpressen. Die PKK, die auch Militärlager im Nordirak unterhält, kämpft für einen eigenen Staat der Kurden oder zumindest ein Autonomiegebiet im Südosten der Türkei. Gouverneur Cetin beschrieb die deutsch-türkische Zusammenarbeit während der Geiselkrise in der Zeitung "Radikal" als "sehr gut". Die Zeitung "Vatan" mutmaßte, die Geiselnehmer hätten schließlich aufgegeben, weil die Armee das Gebiet erfolgreich umzingelt habe.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hatten sich am Sonntag hoch erfreut über die Freilassung der Bergsteiger geäußert. Auf die Frage, ob Lösegeld oder ein politischer Preis gezahlt worden sei, sagte die Kanzlerin in der ARD lediglich: "Sie wissen, dass wir alles tun, um die Geiseln frei zu bekommen." Weitere Details nannte sie nicht. SPD-Chef Kurt Beck sagte, die Heimkehr der Männer sei "die erlösende Botschaft, auf die wir alle gehofft und gewartet haben".