Türkei: Touristen sind überall gefährdet

Warnung vor Attentat auf Schäuble

Das Bundeskriminalamt (BKA) warnt vor einem möglichen Attentat der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) auf Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU). Angeblich gab es schon ein Angebot, die drei PKK-Geiseln frei zu lassen.

Unter Berufung auf eine vertrauliche Gefahrenanalyse heißt es, deutsche Touristen seien inzwischen in allen Teilen der Türkei gefährdet. Eine schnelle Beendigung der Geiselnahme der drei Bergsteiger scheiterte nach einem "Spiegel"-Bericht am feindlichen Verhältnis der PKK zur türkischen Regierung.

Schäubles Ministerium teilte jedoch mit, Hinweise auf konkrete Gefährdungen lägen nicht vor. Es gebe "sich verändernde Sicherheitslagen". Die Sicherheitsbehörden des Bundes stünden mit ihren ausländischen Partnerbehörden in stetigem Kontakt. Dies gelte auch in Hinblick auf die Entführung von deutschen Staatsangehörigen durch die PKK.

Schäuble wird laut Magazinbericht in kurdischen Medien als Hauptverantwortlicher für das Verbot des PKK-nahen Senders Roj-TV genannt. Auch das Gebäude des Bundesinnenministeriums in Berlin gelte als gefährdet. Gleiches gelte für die Polizeipräsidien von Wuppertal und Köln, die zahlreiche Einsätze gegen PKK-Einrichtungen koordinierten.

Sicherheitshinweise sollen erweiterte werden

In der Gefahrenanalyse wird auch eine Modifizierung der Sicherheitshinweise zur Türkei durch das Auswärtige Amt empfohlen. Deutsche Urlauber seien nicht mehr nur im Südosten der Türkei gefährdet.

Das Auswärtige Amt hatte mit der Entführung der drei Deutschen die Sicherheitshinweise verschärft und das Gebiet um den Berg Ararat eingeschlossen. Vor "Reisen in die östlichen Provinzen der Türkei, insbesondere die Provinzen Hakkari, Sirnak, Mardin, Siirt, Van, Agri und Igdir wird dringend abgeraten," heißt es nunmehr seit dem 9. Juli. Es bestehe die Gefahr, dass Deutsche, insbesondere Individualreisende, in diesen Provinzen Opfer von Racheaktionen wie Anschläge, Überfälle und Entführungen durch PKK-Terroristen werden könnten.

Das Auswärtige Amt wies laut Bericht die deutsche Botschaft in Ankara an, gezielt Kontakt zu Deutschen aufzunehmen, die in der Türkei gefährdet sein könnten.

Angeblich Freilassung angeboten

Bereits kurz nach der Entführung bot die kurdische Separatistenorganisation laut "Spiegel" dem deutschen Krisenstab die Freilassung der drei Bergsteiger an. Die Geiseln sollten demnach dem Internationalen Roten Kreuz übergeben werden. Die türkische Regierung habe aber darauf bestanden, dass auf ihrem Staatsgebiet lediglich die islamische Hilfsorganisation Roter Halbmond tätig werden dürfe. Deren Vermittlung wiederum habe die PKK abgelehnt.

Einen deutschen Kompromiss, die PKK-Kämpfer sollten die drei Bayern einfach laufenlassen und verschwinden, habe die Kurden-Organisation zurückgewiesen, weil dadurch das Leben der Geiseln unnötig gefährdet werde. Weiter hieß es, kommende Woche wollten deutsche und europäische Parlamentarier in die Region reisen, darunter die Bundestagsabgeordnete Ulla Jelpke von der Linkspartei sowie Vertreter der gemäßigten Kurden-Partei DTP. Diese hätten bereits bei der Freilassung von acht entführten türkischen Soldaten im vergangenen Jahr eine Rolle gespielt.