Weltjugendtag: Papst spricht von Missbrauch

Papst entschuldigt sich für Missbrauch durch Geistliche

Papst Benedikt XVI. hat sich am Sonnabend in deutlichen Worten für den sexuellen Missbrauch von Kindern durch katholische Geistliche in Australien entschuldigt. Den Opfern reicht jedoch eine Entschuldigung nicht.

Sydney. Er wolle "innehalten, um die Scham einzugestehen, die wir alle empfunden haben aufgrund des sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen ... in diesem Land", sagte Benedikt in einer Messe vor australischen Geistlichen beim Weltjugendtag in Sydney. "Diese Vergehen, die einen so schweren Vertrauensbruch darstellen, verdienen eine eindeutige Verurteilung."

Die Opfer sollten "Mitgefühl und Fürsorge erfahren, und die Verantwortlichen für diese Übel müssen vor Gericht gestellt werden", erklärte Benedikt. Es tue ihm sehr leid, dass die Missbrauchsopfer solchen Schmerz erleiden mussten, sagte der Papst in Ergänzung des offiziellen Redetextes weiter. Als Seelsorger versichere er ihnen, dass er ihre Leiden teile.

Benedikt hat bereits mehrfach Bedauern wegen des sexuellen Missbrauchs von Kindern durch Geistliche und Ordensleute geäußert, zuletzt bei einem Besuch in den USA im April. Die Formulierungen am Sonnabend waren jedoch deutlich stärker als seine damaligen Äußerungen. Die Vergehen der Geistlichen "haben großen Schmerz verursacht und dem Zeugnis der Kirche geschadet", sagte der Papst.

Opfergruppen in Australien erklärten, eine päpstliche Entschuldigung reiche nicht aus. "Die Opfer wollen Handlungen sehen, nicht nur Worte", hieß es auf der Website der Organisation Broken Rites. Anthony Foster, dessen zwei Töchter mutmaßlich von einem Priester missbraucht wurden, erklärte, bislang habe es keine unmissverständliche Antwort der Kirche auf die Fälle gegeben. Die Betroffenen müssten finanzielle und psychologische Hilfe erhalten, forderte Foster. Opfergruppen zufolge geht die Zahl der Missbrauchsfälle in Australien in die Tausende.

Benedikt XVI. müsse die Bischöfe in Australien anweisen, sich nicht länger gegen eine zivilgerichtliche Verfolgung der Missbrauchsfälle zu stellen, forderte Broken Rites. Gegenwärtig werde ein Opfer, das juristisch eine Entschädigung erstreiten wolle, von der Kirche "aufs Schärfste bekämpft", hieß es in einer Erklärung auf der Website der Opferschutzorganisation.

Eine Vertreterin der Organisation Good Faith and Associates wertete die päpstliche Entschuldigung als Tropfen auf den heißen Stein. Opfergruppen schätzen, dass die Zahl der Missbrauchsfälle in Australien in die Tausende geht.

Demonstration gegen den Papst

In der Innenstadt von Sydney demonstrierten rund 500 Menschen gegen den Papst und kritisierten, die Kirche vertrete antiquierte und diskriminierende Ansichten. Einige Teilnehmer der Gruppe NoToPope waren als Nonnen, Teufel und Priester verkleidet. Den vorbeiziehenden Teilnehmern des Weltjugendtages warfen die Demonstranten Kondom-Päckchen zu. "Der Papst liegt falsch, benutzt ein Kondom", riefen sie.

Der Weltjugendtag dauert noch bis Sonntag. Zur Abschlussmesse mit dem Papst werden rund 250 000 Gläubige erwartet.