Türkei: Geiselnahme von deutschen Bergsteigern

PKK erpresst Deutschland

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Die kurdische Rebellenorganisation will Deutschland zu einem Wechsel der deutschen Kurdenpolitik zwingen. Solange der deutsche Staat nicht erkläre, dass er „seine gegen das kurdische Volk und gegen die PKK gerichtete feindliche Politik aufgibt“, würden die entführten deutschen Staatsbürger nicht freigelassen, hieß es in einer verbreiteten Erklärung der PKK.

Istanbul. Nach der Entführung von drei Deutschen hat die kurdische Rebellenorganisation PKK die Bundesregierung unter Druck gesetzt. Solange der deutsche Staat nicht erkläre, dass er von seiner "gegen das kurdische Volk und gegen die PKK gerichteten feindlichen Politik" abrücke, würden die Bergsteiger aus Bayern nicht freigelassen, zitierte die PKK-nahe Nachrichtenagentur Firat die Führung der Untergrundorganisation. Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sagte, die Bundesregierung lasse sich nicht erpressen. In der Region um den Berg Ararat setzten türkische Sicherheitskräfte ihre Suche nach den Geiseln fort.

Den drei deutschen Geiseln gehe es gut, ihnen sei nichts geschehen, erklärte die PKK weiter. Die Kurdenrebellen hegten dem deutschen Volk gegenüber keine Feindschaft. Mit der Forderung nach einer Änderung der Kurdenpolitik spielte die PKK offenbar auf das vom Bundesinnenministerium Ende Juni verhängte Verbot des PKK-Propagandasenders Roj-TV durch die deutschen Behörden an. Die Rebellen verlangten zudem eine Einstellung der türkischen Militäraktionen in der Gegend. Die PKK und ihre Nachfolgeorganisationen sind in Deutschland verboten. Sie wird seit 2002 von der EU als Terrororganisation eingestuft.

Die Entführten gehörten zu einer 13-köpfigen Gruppe von Bergsteigern aus Bayern und wurden am Dienstagabend aus einem Basislager auf dem Berg Ararat in 3200 Metern Höhe verschleppt. Die drei entführten Männer nahmen an einer Tour der Alpenverein-Sektion Kelheim bei Regensburg teil, wie der Deutsche Alpenverein (DAV) mitteilte. Unter ihnen ist den Angaben zufolge auch der 65 Jahre alte Sektionsvorsitzende Helmut H., der die Bergtour organisiert hatte. Er gelte als "sehr erfahren", hieß es. Die beiden weiteren Geiseln sind 33 und 47 Jahre alt. Alle stammen aus Ober- und Niederbayern.

Die übrigen zehn Mitglieder der Gruppe werden seit Mittwochabend von einem Vertreter des deutschen Konsulats betreut, wie das Auswärtige Amt mitteilte. Unter ihnen ist auch eine bayerische Kriminalbeamtin. Ein DAV-Kriseninterventionsteam sollte am Donnerstagabend in der Türkei eintreffen, um sich vor Ort um die Bergwanderer zu kümmern. Sie sollten psychisch betreut und auf ihre Rückreise vorbereitet werden.

Die Fahndung nach den Entführern lief auf Hochtouren. "Der Krisenstab ist intensiv bemüht, eine Lösung des Falles herbeizuführen", sagte eine Sprecherin des Auswärtigen Amts. Die Region um den Berg wurde von türkischen Sicherheitskräften weiträumig abgesperrt, Hubschrauber waren im Einsatz. Der Ararat bleibe bis auf weiteres für Bergtouren gesperrt, sagte der Gouverneur der Provinz Agri, Mehmet Cetin, der Nachrichtenagentur Anadolu. In türkischen Presseberichten wurde spekuliert, dass die Männer möglicherweise schon bald wieder freigelassen werden könnten. Die Zeitung "Hürriyet" berichtetem, die Entführer hätten bei ihrem Überfall auf das Zeltlager angekündigt, sie innerhalb weniger Tage wieder auf freien Fuß zu setzen.

Das Auswärtige Amt riet auf seiner Website unter anderem von Reisen in die Provinzen Agri und Igdir, wo der Ararat liegt, "dringend" ab. Es lägen wegen des Verbots des Senders Roj-TV Gefährdungshinweise vor. "Es besteht die Gefahr, dass Deutsche, insbesondere Individualreisende, in diesen Provinzen Opfer von Racheaktionen (Anschläge, Überfälle, Entführungen) durch PKK-Terroristen werden könnten."

( abendblatt.de )