Prozess: Todesschuss auf Einbrecher

Anklage will Bewährung für Polizisten

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Vor fünfeinhalb Jahren erschoss ein Hamburger Polizist einen flüchtenden Einbrecher, zwei Urteile gegen den Beamten wurden aufgehoben.

Hamburg. Nun hat die Staatsanwaltschaft am Mittwoch in einem dritten Prozess vor dem Hamburger Landgericht wegen fahrlässiger Tötung eine Bewährungsstrafe von sechs Monaten für den Angeklagten gefordert. Der jetzt 46 Jahre alte Polizist hatte Heiligabend 2002 in Hamburg-Uhlenhorst eine Diebesbande auf frischer Tat ertappt. Weil er sich durch einen vermeintlich bewaffneten Einbrecher bedroht fühlte, gab der Beamte aus einer unsicheren Körperhaltung heraus einen Schuss ab. Dieser traf einen anderen Dieb tödlich.

"Im Endergebnis kann ihm nicht widerlegt werden, dass er einem Irrtum erlag", begründete die Anklagevertreterin ihren Strafantrag. Sie warf dem Polizisten aber vor, seine Sorgfaltspflicht verletzt und vorschnell gehandelt zu haben. Einen Tötungsvorsatz schloss sie aus. Der Verteidiger argumentierte in seinem Plädoyer, sein Mandant habe "aus Angst um sein eigenes Leben" geschossen. Er könne allenfalls - wie von der Staatsanwaltschaft gefordert - wegen fahrlässiger Tötung bestraft werden. Das Urteil soll am Montag verkündet werden.

Der Polizist, der vom Dienst suspendiert ist, beteuerte noch einmal, nach seiner Wahrnehmung in einer Bedrohungslage gehandelt zu haben. "Ich weiß, dass etwas passiert ist, was nicht hätte passieren dürfen", betonte er aber. Er bat um ein faires Urteil. Bei einer Strafe von mehr als zwölf Monaten verliert er seinen Beamtenstatus.

Das Verfahren hat sich wegen der unterschiedlichen Bewertung des Delikts und wegen eines Rechtsfehlers in die Länge gezogen. Obwohl die Staatsanwaltschaft den Polizisten der fahrlässigen Tötung anklagte, verurteilte ihn das Landgericht im Herbst 2005 wegen Körperverletzung mit Todesfolge zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe. Da unter dem Urteil aber die Unterschrift eines Richters fehlte, hob es der Bundesgerichtshof (BGH) auf. Dann wurde der Polizist im Dezember 2006 vom Landgericht wegen Totschlags zu derselben Strafe verurteilt. Auch dieses Urteil kassierte der BGH, weil er Mängel in der Begründung für einen Totschlag sah.

( dpa )