Übernahmepoker:

Hamburg will Hapag-Lloyd halten

Die Hansestadt beteiligt sich mit einem dreistelligen Millionenbetrag an einem Bieterkonsortium zur Übernahme der Traditionsreederei Hapag-Lloyd.

Hamburg. Das kündigte Hamburgs Finanzsenator Michael Freytag (CDU) am Dienstag an. Die Muttergesellschaft TUI will sich auf Druck aus dem Aktionärskreis von ihrer Schifffahrtssparte trennen, was in Hamburg auf Widerstand stößt. Am Kauf sind auch asiatische Reedereien wie NOL (Singapur) interessiert. Die Gebote müssen nach Angaben des Senators am 21. Juli vorliegen, Ende September rechnet er mit einem Ende des Verfahrens.

Einem Bieterwettstreit erteilte der Politiker eine Absage: "Mondpreise werden wir nicht bezahlen." Er erwartet, dass auch bei den Mitbewerbern "rational kalkuliert wird". Der Wert von Hapag-Lloyd wird mit rund fünf Milliarden Euro beziffert. Der überwiegende Teil der Milliarden-Mittel müsse von privaten Investoren kommen, ergänzte Freytag. "Der Beitrag Hamburgs kann nur ein Baustein sein." Dieser werde bei der Bildung des Konsortiums genau ermittelt und soll über die stadteigene Beteiligungsgesellschaft finanziert werden.

Die größte deutsche Reederei liegt beim Containerumschlag weltweit auf Rang fünf und ist einer der Eckpfeiler des Schifffahrts- und Logistikstandorts Hamburg. Mit der "Hamburger Lösung" wollen Stadt und Investoren einen Abzug des Unternehmens mit seiner Zentrale in der Hansestadt und den mögliche Verlust von bis zu 2000 Arbeitsplätzen verhindern. "Der Dominoeffekt ist vielfach höher", sagte Freytag. Auch andere Logistikfirmen könnten ihm zufolge in den Sog geraten, sollte ein ausländischer Käufer die Container künftig an der Hansestadt vorbeischiffen. "Hapag-Lloyd ist ein Teil der Identität unserer Stadt", sagte Freytag. Außerdem sei das Unternehmen ein "Juwel im Schiffsbereich". Daher sei das Interesse von heimischen Investoren groß. Im Hamburger Hafen werden insgesamt rund zehn Millionen Standardcontainer (TEU) umgeschlagen.

Namen der Mitglieder des Konsortiums nannte der Politiker nicht. "Jede Information, die wir rausgeben, ist auch eine für die Mitbewerber". Freytag sprach zumindest von "erstklassigen Adressen" Hamburg gewogener Kaufleute. Sie würden nicht aus Sympathie einsteigen, sondern aus rein wirtschaftlichen Gründen, erläuterte er. Der Anteil der Stadt solle so gering wie möglich bleiben, aber als Signal nach außen die Ernsthaftigkeit des öffentlichen Engagements unterstreichen. Die Stadt hatte sich in der Vergangenheit auch an Beiersdorf sowie der Norddeutschen Affinerie beteiligt, um beim Kosmetikkonzern die Übernahme durch ausländische Konkurrenz zu verhindern beziehungsweise im Fall der "Affi" den Einfluss eines Großaktionärs zu beschränken.

Seit mehr als 160 Jahren werden von Hapag-Lloyd beziehungsweise ihren Vorgängergesellschaften Waren über die Weltmeere bewegt. Die Hapag-Lloyd AG gibt es seit 1970, als die Reedereien Hamburg-Amerikanische Packetfahrt-Actien-Gesellschaft (Hapag/Hamburg-Amerika Linie) und der Norddeutsche Lloyd (NDL) aus Bremen fusionierten. Seit 1997 ist die TUI AG (ehemals Preussag) Mehrheitsgesellschafter der Hapag. Mit dem Kauf von CP Ships vor drei Jahren hat sich das Unternehmen unter die "Top 5" der Container-Reedereien gebracht.