Landgericht Stade:

Sechs Jahre Haft für Mord an schlafendem Sohn

Für den Mord an seinem schlafenden Sohn hat das Landgericht Stade einen psychisch kranken Mann zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren verurteilt. Der 60-Jährige müsse zudem unbefristet in einer Psychiatrie bleiben, weil von ihm weiterhin eine Gefahr ausgehe.

Die Dauer der Unterbringung werde auf die Strafe angerechnet. . Der Angeklagte habe heimtückisch gehandelt, sagte der Vorsitzende Richter Rolf Armbrecht am Mittwoch. Er sei aber aufgrund seiner hirnorganischen Erkrankung vermindert schuldfähig.

Nach Auffassung des Gerichtes stach der aus Kirgistan stammende Angeklagte im Dezember 2007 in Buchholz (Kreis Harburg) mit einem Küchenmesser gezielt in das Herz seines schlafenden Sohnes. Der 29- Jährige starb wenig später im Krankenhaus. Anlass für den Mord sei ein Streit über die Drogenprobleme des Opfers gewesen. Die Mutter hatte zuvor eine Spritze in der Jackentasche des Sohnes gefunden und mit ihrem Mann darüber gesprochen. "Das Motiv steht in keinem Verhältnis zur begangenen Tat", betonte Armbrecht.

Auch die Staatsanwaltschaft hatte eine Einweisung in die Psychiatrie gefordert. Der Verteidiger Thomas Gerken jedoch plädierte auf zehn Jahre Haft wegen Totschlags. Er befürchtet nun, dass sein Mandant vielleicht nie wieder aus der Psychiatrie entlassen wird und prüft, in Revision zu gehen.

Der Angeklagte hörte die Urteilsbegründung in sich zusammengesackt an, seine Ehefrau weinte lautlos. Bereits seit 30 Jahren hat der Mann psychische Probleme. Typisch für die Krankheit seien die "Einengung der Gefühle und Gedanken" sowie die "Unterwürfigkeit" des 60- Jährigen, sagte Armbrecht. Im März hatte der Angeklagte in der Untersuchungshaft einen Selbstmordversuch unternommen.

Nach dem Streit über die Drogensucht des Sohnes sei der Vater sehr angespannt gewesen, erklärte Armbrecht. "Er konnte an nichts anderes mehr denken." Das Verbrechen sei jedoch nicht spontan passiert. Der frühere Bergarbeiter habe sich in der Nacht ein Messer aus der Küche geholt und lange überlegt, ob er die Tat verüben solle.

Zulasten des Mannes bewertete das Gericht zudem, dass der zehn Jahre alte Enkelsohn des Angeklagten während der Tat neben dem Opfer lag. Der Junge ist nun traumatisiert und in Behandlung. Strafmildernd war nach Ansicht der Richter das Geständnis des 60-Jährigen bei der Polizei. In dem Prozess hatte der Mann nichts zum Tattag gesagt, jedoch um Verzeihung für die Tötung seines Sohnes gebeten.