Billiganbieter: Fusion von Plus und Netto

Neuer Discount-Riese in Deutschland

Lebensmittelhändler Edeka will damit seine Tochter Netto in Konkurrenz mit den Marktführern Aldi und Lidl besser am Markt positionieren.

Bonn. In Deutschland entsteht ein neuer Discount-Riese. Das Bundeskartellamt hat den Weg freigemacht für die Fusion der Handelsketten Plus und Netto zu Deutschlands drittgrößtem Billiganbieter. Dem Lebensmittelhändler Edeka gelingt es damit, den Abstand seiner Tochter Netto zu den Marktführern Aldi und Lidl im Billigsortiment deutlich zu verringern. Allerdings machten die Wettbewerbshüter ihre Zustimmung von strengen Auflagen abhängig.

Der bereits Ende vergangenen Jahres vereinbarte Zusammenschluss der Discounter unter dem Dach von Edeka hatte beim Kartellamt alle Warnlampen aufleuchten lassen. Die Wettbewerbshüter sahen wegen der gleichzeitig vereinbarten Einkaufskooperation zwischen Edeka und der Plus-Muttergesellschaft Tengelmann weit mehr als eine Fusion der Discount-Ketten, nämlich einen De-facto-Zusammenschluss des größten deutschen Lebensmittelhändlers mit der Nummer fünf auf dem Markt.

Dies hätte nach Überzeugung des Kartellamtes eine gravierende Verschlechterung des Wettbewerbs, sowohl für Kunden, als auch beim Einkauf geführt. Nach Einschätzung des Kartellamtes ist der Wettbewerb im Lebensmittelhandel schon in den vergangenen Jahren deutlich geringer geworden. Nur noch fünf Konzerne - Edeka, Rewe, Aldi, Lidl und Tengelmann - beherrschen heute 90 Prozent des Marktes.

Mit massiven Auflagen versuchten die Wettbewerbshüter deshalb gegenzusteuern. So müssen vor dem Zusammenschluss von Plus und Netto rund 400 Plus-Filialen in Regionen, in denen Edeka schon heute unangefochtener Marktführer ist, an Konkurrenten verkauft werden. Außerdem untersagte das Kartellamt die geplante Einkaufskooperation. Ferner muss Tengelmann seine Beteiligung an dem neuen Discountriesen unter die Sperrminorität von 25 Prozent senken und verliert damit jeden Einfluss auf das Unternehmen. "Mit dieser Entscheidung setzt das Bundeskartellamt ein Zeichen gegen die fortschreitende Konzentration im Lebensmitteleinzelhandel", sagte Kartellamtspräsident Bernhard Heitzer.

Edeka begrüßt trotz der Auflagen die Entscheidung. "Wir freuen uns, dass wir die Bedenken des Kartellamtes ausräumen konnten und es grünes Licht für mehr Wettbewerb im deutschen Discount gibt", sagte Edeka-Vorstandssprecher Markus Mosa in Hamburg.

Deutschlands größter Lebensmittelhändler will die 2500-Plus Filialen spätestens mit Beginn des kommenden Jahres in sein Ladennetz integrieren und so seinen Umsatz um rund 6 Milliarden Euro steigern. Edeka werde alle 25 000 Mitarbeiter von Plus übernehmen und bis 2010 weitere 2500 neue Arbeitsplätze schaffen, betonte das Unternehmen.

Binnen 18 Monaten sollen 1750 der 2500 Plus-Filialen auf das Konzept der Edeka-Tochter Netto umgestellt werden. Die restlichen 750 Filialen sollen weiter unter dem Namen Plus firmieren, und als Nachbarschaftsläden Kunden finden.

Deutlich gedämpfter als bei Edeka fiel die Reaktion bei Tengelmann aus. Unternehmenschef Karl-Erivan Haub räumte ein: "Die Anzahl der zu verkaufenden Filialen, die das Bundeskartellamt der Fusion vorangestellt hat, ist höher ausgefallen als erwartet." Dennoch hat der Konzern bereits Gespräche mit dem Ziel der wettbewerbs- und vor allem arbeitsplatzerhaltenden Veräußerung der betroffenen Filialen aufgenommen.

Hart treffen das Unternehmen auch die anderen Auflagen. "Dass die Einkaufskooperation zwischen Kaiser's Tengelmann und Edeka untersagt wurde, ist bitter", sagte Haub. Tengelmann habe durch die Zusammenarbeit mit Edeka seinen Einkauf dauerhaft stärker absichern wollen. Nun werde das Unternehmen alles daran setzen, die Supermärkte auch ohne diese Unterstützung erfolgreich weiterzuentwickeln.