EM-Halbfinale: ZDF prüft Ansprüche gegen Uefa

TV-Panne verhindert Rekordquote

Lesedauer: 2 Minuten

Der Strom im Fernsehzentrum ausgefallen, das Notstromaggregat kaputt, die Blamage perfekt: Nach der Bildstörung beim Spiel zwischen Deutschland und der Türkei ist das ZDF stinksauer, denn das Spiel hätte die erfolgreichste deutsche Fernsehsendung aller Zeiten werden können.

Bei der Live-Übertragung am Mittwoch war das von der Uefa produzierte Weltbild in der zweiten Halbzeit mehrmals wegen eines Stromausfalls im International Fernsehzentrum (IBC) in Wien ausgefallen. Jetzt will das ZDF möglicherweise Ansprüche gegen die Uefa geltend gemacht. Der Grund: Die Panne könnte einen neuen deutschen TV-Rekord verhindert haben.

Laut ZDF-Sportchef Dieter Gruschwitz sahen im Schnitt 29,54 Millionen (81,8 Prozent Marktanteil) die dramatische Partie. In der ewigen TV-Hitliste lag das Spiel damit nur knapp auf Platz zwei hinter dem WM-Halbfinale zwischen Deutschland und Italien, das vor zwei Jahren durchschnittlich 29,66 Millionen Fernsehzuschauer fesselte.

"Ich verstehe nicht, warum das Notstromaggregat in Wien nicht funktioniert hat", erklärte Gruschwitz am Donnerstag zu der "ärgerlichsten anzunehmenden Panne". Der Mainzer Sender hatte nach einem zweiten Stromausfall in Wien das Übertragungssignal des Schweizer Fernsehens SF1 übernommen, das zu dieser Zeit über eine Glasfaser-Direktverbindung aus dem Stadion in Basel als einziges noch verfügbar war.

Laut Gruschwitz haben sich alle anderen TV-Sender verpflichtet, das von der Uefa in Wien produzierte Signal zu übernehmen. Auch die von eigenen Kameras hergestellten ZDF-Bilder gehen über das IBC und waren von der technischen Panne betroffen. "Darüber wird noch zu reden sein", sagte Gruschwitz.

Während des Bildausfalls hatte ZDF-Kommentator Bela Rethy die TV- Zuschauer wie ein Radioreporter per Telefonleitung auf dem Laufenden gehalten. Ton und Bild kamen zwischenzeitlich aber zeitversetzt an. Das zweite deutsche Tor von Miroslav Klose feierte Rethy bereits, als die Fernsehzuschauer den Ball noch gar nicht im Tor sahen.

Viele Zuschauer wussten sich allerdings zu helfen: Auf abendblatt.de verzeichnete der EM-Live-Ticker während der Störung einen enormen Nutzerzuwachs. Dort gibt es neben dem aktuellen Spielverlauf auch viele Statistiken und Hintergrund-Informationen zu den Teams und Stadien sowie Grafiken zur Spiel-Analyse.

Durch die Übernahme der Fernsehbilder von SF1 sahen die deutschen Zuschauer auch einen sogenannten Flitzer, der in Basel wie ein Rugbyspieler über den Platz lief und von Ordnungskräften zu Boden gerissen wurde. Bei einem ähnlichen Vorfall während der Partie Österreich - Kroatien hatte die UEFA die Szene in ihrem Weltbild- Angebot nicht gezeigt. TV-Kritiker sprachen danach von Zensur.

Filme zur EM
( dpa, abendblatt.de )