Stade: Frauenleiche - Identität geklärt, aber Fall bleibt mysteriös

Polizei richtet Mordkommission ein

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Die Identität der Frauenleiche, die vor einer Woche in der Gemarkung Stade zwischen der Altländer Straße und der Landesstraße 111 auf einer Wiese gefunden wurde, ist geklärt. Aber der Fall bleibt mysteriös. Die Polizei richtete am Freitag deshalb eine 15-köpfige Mordkommission ein.

Klar ist bisher nur: Bei der Toten handelt es sich um die 26-jährige Jessica Kniesche aus Berlin, die sich zeitweise auch Elena Uphoff nannte und sich seit Anfang April im Bereich Wischhafen aufgehalten hat. Die junge Frau wollte am 5. Juni über Stade nach Hamburg fahren und dabei verlor sich ihre Spur.

So ist unklar, was mit der jungen Frau passierte, wie sie zu Tode kam. Die Obduktion in der Hamburger Rechtsmedizin brachte keine Gewissheit über die Todesursache. Denn die Leiche der 26-Jährigen war erst etwa zwei Wochen nach ihrem Tod am 19. Juni von einem Landwirt beim Mähen entdeckt worden und bereits zu stark verwest.

Eine 15-köpfige Mordkommission hat jetzt die Ermittlungen in diesem Fall übernommen und soll klären: Wurde die junge Frau als Anhalterin Opfer eines Gewaltverbrechens? Ihre Leiche wurde nur etwa 100 Meter von der Straße entfernt, auf der Wiese zwischen zwei Obsthöfen gefunden. Der Täter könnte die Leiche dort in dem hohen Gras abgelegt haben.

Ein interessanter Ansatz für die Polizei sind aber auch die Internet-Bekanntschaften der arbeitslosen Jessica Kniesche. Sie hat in mehreren Chats immer falsche Angaben zu ihren tatsächlichen Lebensverhältnissen gemacht, um so ein bestimmtes Profil von sich zu erstellen. Unter anderem mit dem Fantasienamen "Elena Uphoff". Sie hat auf diesem Weg mehrere Bekanntschaften im gesamten norddeutschen Raum gesucht und sich dann zeitweise dort aufgehalten.

Die Stader Mordkommission "Kniesche" fragt nun:

"Wer hat zu Jessica Kniesche, alias Elena Uphoff über das Internet in verschiedensten Chats Kontakt gehabt oder sich mit ihr getroffen?

Dafür, dass Jessica Kniesche alias Elena Uphoff, die mit dem Nicknamen "babylove2528" Mitglied in der Web-Community von jux.de war, am 11. Juni - sechs Tage nach dem sie von Wischhafen in Richtung Hamburg aufgebrochen war und ihre Spur sich verliert - morgens um 9.24 Uhr noch einmal online gewesen ist, hat die Polizei zwischenzeitlich eine Erklärung: Die junge Frau nutzte gemeinsam mit dem Bekannten, bei dem sie in Wischhafen lebte, gemeinsam den Zugangs-Account zur Community.

In der Community von "jux.de" suchte die 1,65 Meter große, untersetzte Frau, die sich als Friseuse und dreifache Mutter in dem Profil dort beschrieb, "nette Leute". Etwa 30 Community-Mitglieder, meist Männer, zählte sie bei jux.de zu ihren "Freunden". Mit einem 32jährigen HSV-Fan aus dem Weserbergland stand sie seit April in intensivem Kontakt: Er suche eine ernsthafte Beziehung, schreibt der Mann in seinem Community-Profil. "babylove2528" trug seither in sein Gästebuch regelmäßig Liebesgedichte und -schwüre ein. Man beabsichtigte, sich auch real zu treffen. Darauf deuten die Einträge hin. So schrieb sie ihm am 26. Mai: "Menno ich vermiss dich ganz doll, wird echt langsam Zeit, dass du herkommst!"

Hinweise an die Polizei Stade: Telefon: 04141/102-215.

( sar )