Konsumklima kühlt ab:

Ende des Aufschwungs?

Hohe Energiepreise und eine abgekühlte Weltkonjunktur drücken die Stimmung der Verbraucher und bremsen das deutsche Wirtschaftswachstum.

Nürnberg/München. Das Marktforschungsinstitut GfK prognostiziert für den Konsumklimaindex im Juli einen Wert von nur noch 3,9 Punkten nach 4,7 Punkten im Juni - der niedrigste Stand seit Dezember 2005. Die Entwicklung der Energiepreise und der Preise für Lebensmittel sei das beherrschende Thema, teilte die GfK am Dienstag mit. Das ifo Institut geht in seiner am Dienstag in München veröffentlichten Konjunkturprognose zudem von einem Ende des Aufschwungs aus. Demnach dürfte das Bruttoinlandsprodukt zwar 2008 noch um 2,4 Prozent zulegen, 2009 aber sei nur noch ein Wachstum von 1,0 Prozent zu erwarten.

Die drei zentralen Stützen der Konjunktur seien geschwächt, sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. Die Investitionen nähmen ab, die Exportkonjunktur schwäche sich ab und der Ölpreis mache den Konsum schwach. Gleichzeitig betonte er: "Wir haben noch keine Rezession." Derzeit erlebe die deutsche Wirtschaft noch einen "goldenen Oktober". "Der Abschwung der Weltwirtschaft hat begonnen und wird auch Deutschland erfassen, aber noch nicht in diesem Jahr", sagte Sinn.

In ihrem Frühjahrsgutachten, an dem auch das ifo Institut beteiligt ist, hatten die Wirtschaftsforschungsinstitute für 2008 lediglich ein Wachstum von 1,8 Prozent vorhergesagt. Nach dem guten Jahresauftakt zeigten sich aber auch andere Institute zuletzt optimistischer. So rechnet das Institut der deutschen Wirtschaft in Köln für 2008 mit 2,5 Prozent Wachstum. Die Bundesregierung rechnet derzeit mit 1,7 Prozent.

Bis in das Frühjahr hinein habe sich die Konjunktur in Deutschland bemerkenswert robust gezeigt gegen negative Einflüsse wie das geringere Wachstum bedeutender Absatzmärkte, den starken Euro und den Ölpreis-Höhenflug. Bereits für das noch laufende zweite Quartal rechnet das ifo Institut aber - wie auch die Bundesbank - mit einem leichten Rückgang des realen Bruttoinlandsprodukts. So sei die erhoffte Konsumbelebung als Konjunkturstütze ausgeblieben, weil die Verbraucher das Portemonnaie wegen der gestiegenen Energie- und Lebensmittelpreise zunehmend zusammenhalten.

Nach Einschätzung der ifo-Forscher wird das abgeschwächte Wachstum auch Spuren am Arbeitsmarkt hinterlassen. Zwar werde sich die Arbeitslosigkeit auch nächstes Jahr reduzieren, aber deutlich langsamer, als in den vergangenen Jahren. Für 2008 prognostizierten die Ökonomen einen Rückgang der Arbeitslosenzahl auf 3,3 Millionen, 2009 dürften es dann im Jahresdurchschnitt noch 3,1 Millionen sein.

Mit Blick auf den privaten Verbrauch in Deutschland halbierte die GfK ihre Prognose und erwartet in diesem Jahr nur noch einen Zuwachs von 0,5 Prozent. Bereits im März war die Prognose von 1,5 auf 1,0 Prozent gesenkt worden. "Die gefühlte Inflation reduziert die Kauflaune", sagte GfK-Vorstandschef Klaus Wübbenhorst der Deutschen Presse-Agentur dpa. Die Anschaffungsneigung rutschte im Juni mit minus 23,7 Punkten auf den niedrigsten Stand seit drei Jahren. Der Indikator für die Einkommenserwartung verlor im Juni 3 Punkte und weist minus 7,2 Zähler auf - der niedrigste Wert seit Dezember 2006.

Die gegenwärtige Verbraucherstimmung sei "alles andere als ein Sommermärchen", sagte Wübbenhorst. Da der Konsum einen erheblichen Teil zur Wirtschaftsleistung beitrage, führe dies wiederum zu einer Beeinträchtigung der Konjunktur. Steigende Inflationsängste in Verbindung mit der anhaltenden Finanzmarktkrise, einem starken Euro sowie der weltweiten Konjunkturabschwächung sorgen nach GfK-Einschätzung dafür, dass die Verbraucher die Konjunkturentwicklung wenig optimistisch beurteilen. Der entsprechende Indikator verlor im Juni knapp 6 Punkte und sank auf einen Wert von 7,5 Zählern.

Wübbenhorst sprach sich dafür aus, die "kalte Progression" zu überprüfen, bei der Einkommenserhöhungen durch höhere Besteuerung aufgefressen werden. Er warnte jedoch vor "Wahlgeschenken", etwa der Rückkehr zur alten Pendlerpauschale. Zusätzliche Belastungen für den Konsum durch höhere Kreditkonditionen erwartet er derzeit nicht. "Höhere Zinsen wirken sich unmittelbar zunächst bei den Investitionsentscheidungen der Unternehmen aus." Wenn Unternehmen aber vorsichtiger kalkulieren müssten, könne dies wiederum Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt haben. Für die Ermittlung des Konsumklimaindex befragt die GfK monatlich rund 2000 Verbraucher.